Blumen für Zivilcourage

Die BVV-Vorsitzende Kathrin Henkel (CDU) bedankte sich bei Marcel Märkisch für sein mutiges Handeln unter anderem mit einem Blumenstrauß. (Foto: hari)

Anwohner verhinderte brutale Entführung

Marzahn. Marcel Märkisch wurde auf der Sitzung der BVV ausgezeichnet. Der Vorstand dankte ihm für seine Zivilcourage, durch die die Entführung eines jungen Mädchens und wohl Schlimmeres verhindert werden konnte.

Das Ereignis ist schon zwei Jahre her. Am 1. Juni 2015 griff Marcel Märkisch couragiert ein, als ein Sexualtäter die damals 15-jährige Jenny G. auf einem Parkplatz in sein Auto zerren wollte. Er sorgte auch dafür, dass die Polizei den Angreifer nur wenig später festnehmen konnte.
„Wir wollen dieses mutige Handeln eines Bürgers ehren“, erklärte BVV-Vorsitzende Kathrin Henkel (CDU) auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Mitte Juli. Die Ehrung erfolgte erst so vergleichsweise spät, weil die Staatsanwaltschaft die Daten der Beteiligten im Interesse der Strafverfolgung und des Zeugenschutzes nicht eher herausgeben wollte.
Märkisch erinnert sich noch sehr gut an den Tag. Er war kurz nach Mitternacht noch auf den Balkon seiner damaligen Wohnung an der Mehrower Allee gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. „Plötzlich hörte ich Hilfeschreie. Zuerst dachte ich, es handele sich wieder mal nur um ein Gerangel unter Jugendlichen oder einen Scherz“, erzählt er. Doch dann bedachte er sich und verließ das Haus in aller Eile, um auf dem Parkplatz nachzuschauen, woher die Hilferufe gekommen waren.
Kurz zuvor wollte die damals 15-jährige Jenny G. den Parkplatz passieren. Sie war auf dem Weg von einer Freundin nach Hause. Plötzlich bedrohte sie ein Mann mit einer Pistole und versuchte sie mit aller Gewalt auf den Rücksitz seines Autos zu zerren. Dabei war der Täter bereits von einem anderen Zeugen gestört worden. Dieser hatte sich aber wegen der Androhung des Täters, zu schießen, zunächst vom Tatort zurückgezogen und versuchte aus sicherer Entfernung die Polizei zu verständigen.
Als Märkisch an den Tatort kam, hatte der Täter das Mädchen noch in seiner Gewalt. Märkisch forderte ihn lautstark auf, das Mädchen loszulassen. „Die Waffe habe ich nicht gesehn, wohl auch deshalb hatte ich keine Angst“, erzählt der Retter. Wohl sein energisches Eingreifen führte dazu, dass der Angreifer das Mädchen endlich losließ und in seinen Pkw sprang, um die Flucht zu ergreifen. Märkisch fotografierte mit seinem Handy das Kraftfahrzeugkennzeichen und gab dieses der Polizei durch.
Die Beamten erwischten den Täter wenig später, als er versuchte, seinen Wagen in der Petersburger Straße einzuparken. Es handelte sich um Ronald L., einen ehemaligen S-Bahn-Fahrer aus Friedrichshain. Sie fanden bei ihm mehrere Waffen, eine Perücke, Kabelbinder und Mittel zur Potenzerhöhung. In seiner Wohnung wurde massenhaft Kinderpornografie gefunden. Seine Laube hatte er zu einem Gefängnis für eine Sexsklavin hergerichtet. Er wurde vom Landgericht zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.
Märkisch erhielt von der BVV für sein mutiges Handeln ein Anerkennungsschreiben, einen Blumenstrauß und Freikarten fürs Kino. „Sollte mir so etwas noch mal passieren, würde ich genau dasselbe tun“, erklärt er. hari
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