Vizeweltmeister beginnt mit der Saisonvorbereitung

Beim 3-D-Armbrustsschießen bewegt sich Roland Deutschmann, hier bei einem Turnier in Thüringen, viel in der freien Natur. (Foto: privat)

Marzahn. Wenn man so will, ist Roland Deutschmann ein moderner Wilhelm Tell. Doch seit dem legendären Apfelschuss hat sich die Armbrust zu einem wahren Hightech-Sporgerät entwickelt. Und der 62-Jährige Marzahner gehört zu den besten Armbrustschützen der Welt.

Deutschmann wurde im vergangenen Jahr Vizeweltmeister bei den Senioren in der Kategorie Matchplay. Dabei treten zwei Schützen jeweils imm K.-o.-System gegeneinander an. Zudem gewann er noch zwei Bronzemedaillen im Einzelschießen und eine weitere in der Mannschaftswertung der Herren. Er ist Vizeweltmeister in seiner Altersklasse und gehört damit zu den Prominenten - seiner Sportart. Denn das Armbrustschießen ist eher eine Randsportart. Wenn Deutschmann seine Armbrust vom Auto in die Wohnung trägt, hat er schon häufiger mal die Frage gehört: "Was ist das für ein Instrument?" Die meisten Mieter in seinem Haus in der Köthener Straße wissen aber, dass er kein Musiker ist.

Das Armbrustschießen ist anstrengend. Das Gerät wiegt rund vier Kilogramm. Wenn der Schütze die Armbrust spannt, muss er jedes mal die Kraft aufbringen, die man zum Anheben eines Gewichtes von 90 Kilogramm aufwenden müsste. Selbst mit Spannhilfe sind es noch rund die Hälfte. Und die Turniere können mehrere Tage dauern. Bei einem Turnier gibt ein Schütze pro Tag bis zu 60 Schüsse ab. Die Entfernung zu den Scheiben kann unterschiedlich sein, von 35 Metern bis zu 90 Metern und mehr.

Deutschmann ist durch seinen Beruf viel an der frischen Luft. Die nötige Kondition für seinen Sport holt er sich durch stetes Üben.

Zu seinem Sport kam er nach einem Unfall vor elf Jahren, bei dem er sich das Handgelenk gebrochen hatte. "Mein Arzt empfahl mir, meinen Arm und meine Hand zu trainieren", erklärt Deutschmann. Eine ruhige Hand hatte er schon immer. Doch dass er binnen weniger Jahre zur Weltspitze der Armbrustschützen gehören würde, hätte er nie gedacht.

Deutschmann hat von Anbeginn bei der SG Einheit Zepernick trainiert. Zum Schießstand in der brandenburgischen Gemeinde sind es mit dem Auto rund zwanzig Minuten. Auch zum großen Übungsgelände in der Nähe von Erkner ist es nicht viel weiter. Dort trainiert Deutschmann das sogenannte 3-D-Armbrustschießen, die Königsklasse. Dabei bewegen sich die Schützen auf einem Parcours durch das Gelände und zielen auf bis zu 35 lebensgroße Wildtiere aus Gummi, an denen Zielscheiben angebracht sind. Sie legen dabei eine Strecke von bis zu zwölf Kilometern zurück. Dabei geht es mitunter über Berg und Tal.

Derzeit bereitet sich der 62-Jährige auf die Saison vor. Im Frühjahr stehen 19 Turniere an, die meisten davon in Deutschland. Seinen Titel als Vizeweltmeister muss er im kommenden Jahr in Fort Lauterdale in Florida verteidigen.


Harald Ritter / hari
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