Parkinson macht sich durch Schlafstörungen bemerkbar

Hollywood-Star Michael J. Fox ist selbst von der Parkinson-Krankheit betroffen und macht sich für die Erforschung der Krankheit stark. (Foto: Jens Kalaene)

Angefangen hat es damit, dass Ulrike Braatz sich morgens beim Aufstehen immer für ein paar Sekunden merkwürdig steif fühlte. Wenn sie bei der Arbeit den Telefonhörer in der linken Hand hielt, um mit rechts zu schreiben, zitterte der ganze linke Arm.

"Das habe ich darauf geschoben, dass ich nie im Leben Sport gemacht habe", erzählt die heute 63-Jährige. Doch daran lag es nicht. Nach ein paar Test bei einem Neurologen stellte sich heraus: Ulrike Braatz hat Parkinson. Sie ist in prominenter Gesellschaft: Bekannte Schauspieler wie US-Mime Michael J. Fox und sein deutscher Kollege Ottfried Fischer sind ebenfalls betroffen. Ursache der neurodegenerativen Erkrankung ist der Ausfall der Nervenzellen im Gehirn, die den für Bewegungen und Emotionen wichtigen Botenstoff Dopamin bilden. In Deutschland leben etwa 250 000 Patienten.Von Parkinson spreche man, wenn die Bewegungen auf einer Seite verlangsamt sind, zusätzlich ein Zittern (Tremor) im Ruhezustand und/oder Muskelsteifheit (Rigor) auftreten, erläutert Prof. Wolfgang Oertel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Ein eindeutiges Vorzeichen der Erkrankung sei die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der der Traumschlaf gestört ist.

"Dabei kämpfen die Betroffenen im Schlaf gegen einen Angreifer, sprechen und schlagen um sich, verletzen sich oder den Partner", sagt Oertel, der auch Sprecher des Kompetenznetzes Parkinson ist. Er rät, in solchen Fällen zu einem auf Schlafstörungen spezialisierten Neurologen zu gehen beziehungsweise sich an ein Schlafmedizinisches Zentrum zu wenden. "Bei mehr als 65 Prozent der Menschen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist es wahrscheinlich, dass sie in den kommenden 10 bis 20 Jahren an Parkinson erkranken." Andere Symptome seien weniger spezifisch. Dazu gehören Verstopfungen und Störungen des Geruchssinns sowie Depressionen.

Jeden kann es treffen

Im Mittel bekommen die Patienten nach Angaben der DGN die Diagnose im Alter von 60 Jahren. Etwa fünf Prozent seien unter 40 Jahren, ergänzt Prof. Thomas Gasser vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Tübingen. "Jeder kann Parkinson bekommen", betont er. Statistisch gesehen sei das Erkrankungsrisiko bei Menschen niedriger, die rauchen und Kaffee trinken. "Aber es gibt nichts, was sicher davor schützt", betont er. Wie für alle neurodegenerativen Erkrankungen gelte die allgemeine Empfehlung, sich zur Prävention körperlich und geistig fit zu halten.

Das einzige, was Betroffenen letztlich bleibt, ist, wie Ulrike Braatz die Krankheit zu akzeptieren, körperlich und mental aktiv zu bleiben - und so früh wie möglich Medikamente zu nehmen.


dpa-Magazin / mag
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