Spaziergang mit Kamera und Fernglas im Müggelwald

Seit Kurzem markiert ein Gipfelkreuz Berlins höchste natürliche Erhebung. (Foto: Ralf Drescher)

Müggelheim. Die Müggelberge im Südosten Berlins entstanden während der letzten Kaltzeit vor rund 100.000 Jahren. Doch was eigentlich sind die Müggelberge? Genau genommen gibt es im Müggelwald drei Gipfel, die alle bei einer rund dreistündigen Wanderung erstiegen werden können.

Start ist am Waldparkplatz Kanonenberge, den man über die Straße Zum Müggelturm vom Müggelheimer Damm aus erreicht. Dort befinden sich die Kanonenberge (70 Meter), die ihren Namen von Schießübungen zur Kaiserzeit haben sollen. Die AEG soll hier Kartuschen aus ihrer Rüstungsproduktion eingeschossen haben. Vom Parkplatz führt ein Weg auf das Plateau mit Aussichtspunkt und Sitzbänken. Von hier geht der Blick zum Müggelturm und zum Fernsehturm Müggelberge sowie zu einer Funkstation.

Über die Straße Zum Müggelturm erreicht der Spaziergänger nach rund 30 Minuten den Turm. Der wartet unter einem neuen Eigentümer auf seine Restaurierung, Imbiss und Aussichtsturm sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt zwei Euro. Wer die Betonstufen erklimmt, hat von oben einen guten Blick in Richtung Innenstadt und zum Großen Müggelberg. Der 30 Meter hohe Turm selbst steht nämlich auf dem Kleinen Müggelberg (88 Meter). Weiter Richtung Großer Müggelberg (114 Meter) sieht man von fern schon eine weiße Kuppel und daneben einen Funkmast. Nach 20 Minuten auf dem Gratweg der Müggelberge ist man dort. Das Gebäude mit der Kuppel ist keine Sternwarte, sondern der Fernsehturm Müggelberge. Und der war eine DDR-typische Fehlkonstruktion. Baubeginn war 1954 und es sollte der neue 130 Meter hohe Fernsehturm für den Osten Berlins werden. Der stand allerdings mitten in der Einflugschneise nach Schönefeld, wie Fachleute schnell feststellten. Deshalb wurde der Bau 1955 eingestellt, es blieb bei einer Höhe von 31 Metern.

Das Ministerium für Staatssicherheit nutzte den Turm einige Jahre als Abhörstation. Heute dient der Turmstumpf ebenso wie der nahe Stahlgitterturm der Telekom als Richtfunkknoten. Von einer Lichtung in der Nähe beider Türme hat man durch eine Sichtschneise einen guten Blick auf Friedrichshagen und den Müggelsee. Bis 1945 befand sich hier die 1904 errichtete Bismarckwarte, von der zu besonderen Feiertagen und zu den Olympischen Spielen 1936 eine riesige Fackel über die Müggelberge leuchtete. Am Kriegsende 1945 wurde der Turm von der Waffen-SS gesprengt.

Der eigentliche Gipfel des Großen Müggelbergs befindet sich übrigens noch weitere 500 Meter östlich, Schilder der Forstverwaltung weisen den Weg. Und weil Berlins höchste natürliche Erhebung ansonsten völlig unspektakulär ist und auch keinen Ausblick auf das Umfeld bietet, hat die Revierförsterin kürzlich ein Gipfelkreuz aufstellen lassen. So können sich Wanderer zum Beweis, Berlins höchsten "echten" Berg bestiegen zu haben, davor fotografieren lassen. Der fünf Meter höhere Teufelsberg im Grunewald ist das Resultat von Trümmeraufschüttungen nach dem letzten Krieg.

Über den Gratweg geht es zurück zum Müggelturm, danach die Treppe herunter in Richtung Langer See. Am Fuß der Treppe geht es über eine Waldstraße zurück zum Parkplatz Kanonenberge.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen möchte, fährt mit dem Bus X69 bis Haltestelle Chausseehaus und läuft durch den Wald. Eine Karte braucht man für den Ausflug zu drei Gipfeln des Müggelwalds eigentlich nicht. Fernglas und Kamera sind aber zu empfehlen.

Ralf Drescher / RD
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