An der Großen Krampe verbringen rund 250 Dauercamper ihren Sommer

Margarete Schmalz ist seit 1968 Dauercamperin, seit 1990 an der Großen Krampe. (Foto: Ralf Drescher)
 
Corinna und Norman Heinz verbrachten bereits als Kinder ihre Freizeit als Camper in der Natur. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Zeltplatz Kuhle Wampe |

Müggelheim. Ein paar Hundert Müggelheimer sind eigentlich nur Anwohner auf Zeit. Dafür leben sie mitten im Grünen, mit Blick auf das Wasser der Großen Krampe. Wir haben den Zeltplatz "Kuhle Wampe" besucht.

Gecampt wird hier seit den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals hatten Köpenicker Naturfreunde zwei alte Fischerhütten übernommen und zur Unterkunft ausgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich hier ein Ferienlager, später eine Station junger Naturfoscher. Vor rund 50 Jahren wurde das Areal am Krampeufer zum Campingplatz für 750 Jugendliche.

Der wurde nach der Wende aufgelöst und vor allem Dauercamper der früheren Zeltplätze Große Krampe 1 und 2 und Seddinsee fanden hier eine neue Heimat. Zu denen, die von Anfang an dabei sind, gehört Margarete Schmalz. Die 89-Jährige vertauscht jeden Sommer ihre Wohnung in Wendenschloß mit der Unterkunft im Grünen. Mit ihrem 2013 verstorbenen Ehemann war sie seit 1968 Dauercamper, zuerst am Seddinsee, seit 1990 an der Großen Krampe. „Solange die Gesundheit mitmacht, werde ich hier bleiben. Hier habe ich meine Freunde, hier habe ich Gesellschaft, und ruhiger als zu Hause ist es auch“, sagt die Seniorin. Den einzigen Luxus, den sie sich nach dem Tod des Ehepartners geleistet hat, ist eine der kleinen Hütten. Nun muss nicht mehr jedes Jahr ein Steilwandzelt aufgebaut werden.

Ohnehin geht auch bei „Kuhle Wampe“ der Trend vom Zelt weg zum Campingwagen. So wie bei Corinna Heinz (40) und ihrem Bruder Norman Heinz (37). Die beiden haben schon über ihr halbes Leben am Ufer der Großen Krampe verbracht den ihre Eltern gehörten zu den Mitbegründern des Camperparadieses am Rand von Müggelheim. „Auf unserem früheren Zeltplatz am Seddinsee gab es sogar ein Kino, da liefen sowjetische Märchenfilme und amerikanische Räuberpistolen“, erzählt Corinna Heinz. „Die Toiletten waren ziemlich einfach und in unseren Zelten haben wir nachts oft jämmerlich gefroren. Dafür haben uns die Fahrradausflüge rund um den Seddinsee entschädigt“, erzählt Norman Heinz, der für den Zeltplatz die Öffentlichkeitsarbeit managt. Deshalb hat er auch sofort ein paar Zahlen parat. So gibt es nach seinen Angaben rund 250 Camper. Der Platz ist knapp, auf der Warteliste stehen 14 Familien. Kurzzeitcamper finden mit kleineren Zelten aber fast immer Platz auf der Wiese gleich neben der Badestelle. Und zum Baden kommen an warmen Wochenenden bis zu 100 Besucher, bei freiem Eintritt natürlich.

Die Fläche von „Kuhle Wampe“ ist nur gepachtet. Sie gehört dem Bezirk Treptow-Köpenick und den Berliner Forsten. „Der Vertrag läuft erst einmal bis 2025. Und wenn trotz Flughafennähe noch immer Interesse besteht, bemühen wir uns um eine Verlängerung“, erzählt Wolfgang Heinz, der Vorsitzende des Campervereins.

Ist Ihnen beim Lesen der Name „Kuhle Wampe“ irgendwie bekannt vorgekommen? Richtig, da gab es doch einst am Müggelsee diesen Arbeiterzeltplatz. Bertolt Brecht und Regisseur Slatan Dudow haben ihm 1932 mit dem Film „Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt“ ein Denkmal gesetzt. Zur Erinnerung an den historischen Zeltplatz trägt das Areal an der Großen Krampe seit 1976 diesen Namen. RD

Wissenswertes: www.zeltplatz-kuhle-wampe.de
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