Arbeitskreis Wohnungsnot kritisiert mangelnde Hilfe für Wohnungslose

Neukölln. Angesichts steigender Mieten in den Innenstadtbezirken gestaltet sich die Wohnungssuche für Geringverdiener und Bezieher von Transferleistungen schwierig. Hoffnungslos erscheint die Lage für wohnungslose Menschen.

Gernot B. ist seit Ende 2009 wohnungslos und lebt in einer betreuten Wohneinrichtung. Inzwischen hat sich der 35-Jährige für mindestens 300 Wohnungen beworben. Auf eine Zeitungsanzeige hin besichtigte er vergangenen Mittwoch erneut eine Wohnung in der Weisestraße. Das Zimmer, 34 Quadratmeter klein mit Bad und Kochnische, soll 399 Euro brutto warm kosten. Bei 396 Euro warm liegt die derzeitige Obergrenze für Bezieher von ALG II nach Auskunft des Arbeitskreises Wohnungsnot, einem Zusammenschluss von mehr als 70 Trägern und Institutionen der Wohnungslosenhilfe. Wenn Gernot B. Glück hätte, würde das Neuköllner Jobcenter diese Miete wohl noch übernehmen. In einer Schlange von 20 Bewerbern hat Gernot B. dennoch keine Chance, diese Wohnung zu mieten. Denn im Fragebogen muss er ankreuzen, dass er eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. "Es ist hoffnungslos für mich. Ich werde wohl auch nächstes Jahr noch in der betreuten Einrichtung wohnen", sagt er. Für den Arbeitskreis Wohnungsnot ist Gernot B. kein Einzelfall. "In den letzten Jahren haben immer mehr Menschen Probleme, eine Wohnung zu finden, auch die Träger der Wohnungslosenhilfe", erzählt Karsten Krull vom Arbeitskreis. Nur in wenigen Fällen erfülle eine Wohnung die Angemessenheitskriterien der Jobcenter und immer mehr Transferempfänger, deren Wohnung manchmal nur geringfügig zu teuer sei, müssten umziehen.

Für arbeitslose und wohnungslose Menschen, die nicht mietschuldenfrei sind und eine negative Schufa-Auskunft haben, wird die Wohnungssuche jedoch zur unlösbaren Aufgabe. Ist die Nadel im Heuhafen dann doch gefunden, scheitert die Anmietung oft an langen Bearbeitungszeiten im Jobcenter. "Obwohl sie dazu verpflichtet sind, bieten Jobcenter meist keinerlei Beratung oder Unterstützung an", sagt Philipp Wolffram vom Arbeitskreis Wohnungsnot. Zu den Forderungen des Verbundes gehören eine Strategie des Landes Berlin für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum im Stadtgebiet und ein Verzicht der Jobcenter, ihre Kundschaft zu Umzügen zu zwingen.


Sylvia Baumeister / SB
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