Mit einem Fest erinnert Klub an bewegte Zeiten

Ein Transparent aus den Besetzer-Tagen: Für dieses Foto holten es die Senioren der Stille Straße 10 noch einmal heraus. (Foto: BW)

Niederschönhausen. Vor einem Jahr begann eine Besetzung, die in den darauffolgenden Monaten für eine weltweite Berichterstattung sorgte.

Das Bezirksamt wollte die Seniorenbegegnungsstätte an der Stille Straße 10 aus Kostengründen schließen. Immer wieder versuchten die Nutzer im Alter von über 65 Jahre, die Bezirkspolitiker mit unterschiedlichen Aktionen zur Rücknahme des Schließungsbeschlusses zu bewegen. Ohne Erfolg. In ihrer Not griffen die Senioren zu einem Mittel, das wohl keiner erwartet hatte: Sie besetzten das Gebäude. Ihre Forderung: Die Politik solle eine Lösung finden, damit die Einrichtung weiter bestehen kann.Wochenlang wurde verhandelt. Mancher hoffte, dass die Senioren irgendwann aufgeben. Doch sie bewiesen Durchhaltevermögen. Das Bezirksamt brachte schließlich ein Interessenbekundungsverfahren auf den Weg. Der Landesverband der Volkssolidarität erklärte sich bereit, die Immobilie zu übernehmen. Erste Verhandlungen mit dem Bezirksamt mündeten in einem befristeten Nutzungsvertrag. Nach 112 Tagen beendeten die Senioren ihre Besetzung.

Anfang des Jahres konnte die Begegnungsstätte wiedereröffnet werden. Das Bezirksamt und die Volkssolidarität verhandeln seitdem über einen Erbbaurechtsvertrag. Doch noch ist unklar, ob die Verhandlungen von Erfolg gekrönt sein werden. Vonseiten des Bezirks gebe es viele unangemessene Forderungen, denen die Volkssolidarität nicht zustimmen kann und will, meint Heidi Knake-Werner, die Vorsitzende des Landesverbandes. Förderverein Stille Straße 10 und Volkssolidarität fordern, dass die Verhandlungen nicht allein fiskalisch orientiert sein sollten. Wenn Vereine ehrenamtlich Bildungs-, Kultur- und soziale Angebote machen, erzielt auch die Stadt schließlich einen Gewinn, der sich nicht in Euro und Cent berechnen lässt.

Auch wenn der Fortbestand der Begegnungsstätte über das Jahr 2013 hinaus also immer noch nicht gesichert ist: Die Nutzer wollen am 29. und 30. Juni mit ihren Unterstützern das Jubiläum "Besetzungsbeginn vor einem Jahr" feiern.

Förderverein und Volkssolidarität laden zu einem großen Sommerfest ein. Los geht es am 29. Juni um 11 Uhr mit der Eröffnung der Ausstellung "Stille Straße ist überall". Etwa gegen 13 Uhr wird dann der Dokumentarfilm "Stille Straße" gezeigt. Ab 15 Uhr erwartet die Festgäste im Garten des Hauses ein Unterhaltungsprogramm. Am 30. Juni findet ab 11 Uhr ein politischer Frühschoppen "Umkämpfte Stadt - was hat die Besetzung gebracht?" statt. Moderiert wird die Veranstaltung von der Stadtsoziologin Karin Baumert.

Weitere Infos gibt es unter 47 01 25 32 sowie per E-Mail an stillestrasse@gmail.com.

Bernd Wähner / BW
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