Liegenschaftsfonds verkauft Grundstück ohne Zufahrt

Jürgen Lange (links) und Reiner Escher können ihre Garagen im Hintergrund nicht mehr nutzen. (Foto: Ralf Drescher)

Plänterwald. Eine Garage ist eine feine Sache. Für Reiner Escher und Jürgen lange hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Seit November 2014 können sie ihre Garagen nicht mehr nutzen.

Die Zufahrt zum Garagenhof Heidekampweg ist seitdem durch Poller versperrt. Hintergrund ist ein Rechtsstreit, dessen Ursprung bis in die DDR-Zeit zurückreicht. Die 28 Garagen waren von ihren Eigentümern um 1970 privat auf staatlichem Grund gebaut worden. 2012 wurde das Areal vom Liegenschaftsfonds zum Verkauf angeboten, allerdings eben ohne die darauf befindlichen Garagen. Deren Eigentümer, fast alle inzwischen im Seniorenalter, hatte kein Interesse am Kauf. Dafür wollte die örtliche Wohnungsbaugenossenschaft DPF die Fläche haben.

"Wir hatten ein Angebot vom Liegenschaftsfonds, die Fläche für 55 000 Euro zu erwerben", erinnert sich DPF-Geschäftsführer Andreas Böhm. Die Genossenschaft hätte seinen Angaben zufolge den Eigentümern eine Entschädigung gezahlt, die Garagen renoviert und dann an interessierte Leute im Wohngebiet vermietet. Ohnehin lebt ein Teil der Garagenbesitzer in Wohnungen der DPF. "Ein paar Monate später war von dem Kaufangebot keine Rede mehr, jetzt wollte der Liegenschaftsfonds deutlich mehr Geld. Darauf konnten wir nicht eingehen, hätten wir doch dann nicht mehr für einen annehmbaren Preis weitervermieten können", teilt Andreas Böhm mit.

Inzwischen war das Grundstück für 240 000 Euro an die Besser Parken GmbH in Düsseldorf verkauft worden. Allerdings ohne Zufahrtsrechte, wie sich später herausstellte. Einen Prozess um die bisher genutzte Zufahrt über ein Grundstück der DPF hatte 2014 bereits der Liegenschaftsfonds verloren. Was der neue Eigentümer vorhat, ist im Moment nicht zu erfahren. Nach Aussage des Bezirksamts lässt der Flächennutzungsplan weder Wohnungsbau noch neue Garagen zu, nur der Erhalt der bisherigen Bebauung ist zulässig. Unsere Anfrage an den neuen Eigentümer blieb ohne Antwort.

"Wenn der Vertrag wieder rückabgewickelt würde, wären wir immer noch bereit, das Grundstück für die bereits erwähnte Summe zu kaufen", sagt Andreas Böhm von der PDF. Das wäre auch den Garagenbesitzern am liebsten. "Dann könnten die Garagen wieder genutzt werden, und die Zufahrt wäre auch kein Problem mehr. Jetzt vergrößern unsere 28 Autos den ohnehin großen Parkdruck im Wohngebiet zusätzlich", ärgert sich Jürgen Lange.

Warum der Liegenschaftsfonds ein Grundstück verkauft, das keine offizielle Zufahrt hat und warum der Verkauf an DPF nicht zustande kam, hätten wir auch gern gewusst. Doch auch die Anfrage an den Liegenschaftsfonds wurde leider nicht beantwortet. Dem CDU-Abgeordnetenhausmitglied Katrin Vogel hatte der Liegenschaftsfonds immerhin noch mitgeteilt, das der angebotene Kaufpreis von DPF weit unter dem gutachterlichen Verkehrswert lag. Warum vom einstigen Preisvorschlag keine Rede mehr war, bleibt auch in dieser Antwort im Dunklen.


Ralf Drescher / RD
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