Simulierter Angriff am Bahnhof Lichtenberg: Bundespolizei probte den Ernstfall

Mitglieder der Spezialeinheiten auf dem Bahnsteig. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Bahnhof Lichtenberg Weitlingstraße |

Lichtenberg. So viel Polizei haben die Fahrgäste am Bahnhof Lichtenberg noch nie gesehen. Schüsse hallten, Sprengkörper explodierten. Am 25. September hat dort die Bundespolizei mehrere Stunden den Ernstfall geprobt.

Reisende haben das Geschehen nur am Rand und nur akustisch wahrgenommen. Aus Sicherheitsgründen verhinderten Sichtblenden das Zuschauen, ein Personenzug diente als Sichtschutz. Das Szenario: Im Tunnel zu den Bahnsteigen feuern drei Terroristen wahllos auf Reisende. Streifenbeamte der Bahnhofswache eilen herbei, feuern auf sie und können einen Terroristen unschädlich machen. Er wird erschossen.

Die Beamten haben sofort eine sogenannte kritische, lebensbedrohliche Einsatzlage geklärt. „Wegen einer Innenministertagung waren die Spezialeinheiten GSG 9 und Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus in der Nähe stationiert, sie können schnell an die Einsatzstelle gebracht werden“, erklärt Bundespolizeisprecher Jens Schobransky das Vorgehen der Beamten.

Die beiden anderen Terroristen sind inzwischen auf den Bahnsteig mit einem abfahrbereiten Zug vorgedrungen, feuern weiterhin auf Reisende und werfen Handgranaten. Einige Reisende werden aus nächster Nähe erschossen. Passagiere – als Statisten sind Polizeischüler im Einsatz – gehen auf den Gleisen und hinter Papierkörben in Deckung. Blutende und schreiende Menschen rennen über den Bahnsteig.

Dann tauchen die Spezialeinheiten auf. Elitekämpfer der GSG 9 stellen die Angreifer, ihre grau uniformierten Kollegen der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit sichern den Tatort. Die überlebenden Fahrgäste werden mit erhobenen Händen in Sicherheit gebracht. „Es muss ja erst sichergestellt werden, dass sich kein Terrorist unter die Opfer gemischt hat“, erklärt Polizeisprecher Schobransky.

Für die Übung war die Bundespolizei eine Kooperation mit der Deutschen Bahn eingegangen. Schließlich mussten Teile des Personentunnels, ein Bahnsteig und zwei Gleise für mehrere Stunden gesperrt werden. Mit Lautsprecherdurchsagen wurden Reisende immer wieder darüber informiert, dass hier nur eine Übung abläuft.

Polizeidirektor Sven Jahn von der Bundespolizeiakademie in Lübeck hat die Übung zwei Monate lang vorbereitet. Erst im Mai hatte es im Leipziger Hauptbahnhof eine ähnliche Übung gegeben, der Übungsleiter scheint zufrieden. „Im Gegensatz zu dienststelleninternen Übungen konnten wir noch einen drauflegen und die Zusammenarbeit unserer Einsatzkräfte noch besser trainieren“, so Polizeidirektor Jahn zum Abschluss. RD



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