"Fräulein Brehms Tierleben" auf dem Südgelände

Mittendrin in Brehms Tierleben: die Schauspielerin Barbara Geiger. (Foto: Ruthe Zuntz)

Schöneberg. "Er mag nicht angefasst werden." Barbara Geiger spricht von ihrem Haustier, das im Treppenhaus in einem Blumentopf mit Erde lebt: einem Regenwurm.

Der Lumbricus terrestris erfährt ihre ganze Aufmerksamkeit und Zuneigung. Denn er gehört zu Deutschlands gefährdeten Tierarten, wie Wolf, Luchs, Wildkatze oder Wildbiene. Und Barbara Geiger interessiert sich dafür, weil sie "Fräulein Editha Filmine Brehm" ist und auf der Bühne auf Forschungsreise geht, um hinter die Geheimnisse frei lebender und bedrohter Tiere zu kommen.Ihr Projekt, das 2011 an den Start ging und mittlerweile auch eine Stiftung umfasst, hat die Schauspielerin und Regisseurin "Fräulein Brehms Tierleben" genannt", in Anlehnung an das berühmte Nachschlagewerk des Zoologen und Schriftstellers, Alfred Edmund Brehm (1829-1884). Das sinnliche Bühnenabenteuer verbindet handfeste Wissenschaft, praktische Feldforschung und tiefe Einblicke in tierische Zusammenhänge zum theatralischen Ganzen.

Barbara Geiger studiert die Beschreibung der Tiere in Büchern, recherchiert zu den Tierarten in wissenschaftlichen Abhandlungen, macht sich auf die Suche nach Fachleuten, die ihre "Übersetzung des Wissens" überprüfen sollen. "Dann kommt die Theatralik rein", sagt die Schauspielerin. Wichtig ist ihr vor allem das Verhältnis von Mensch und Tier.

Gedacht sind die 60-minütigen Stücke für alle ab acht Jahre. Doch am meisten freut sich die Schauspielerin, wenn bei den Erwachsenen die Augen leuchten.

Am Anfang der Theaterreihe stand allerdings ein Trauerfall. Nach dem Tod des Vaters entdeckte Barbara Geiger im Nachlass einen Korb mit Büchern, darunter "Brehms Tierleben". Um besser einschlafen zu können, las sie das Werk. "Das Nickende Glockentierchen, eine Amöbe, war der Auslöser", erinnert sich Geiger, die in London zur Shakespeare-Darstellerin ausgebildet worden ist. Bald studierte sie die Originalausgabe von Brehms Tierleben "mit Alfreds besonderer Sprache". Die Entdeckersprache des 19. Jahrhunderts bleibt auch ein Merkmal ihrer Theaterarbeit: keine Anglizismen, alte Begriffe wie Pfiffikus und die Erfindung neuer Wortgebilde à la "Landschaftsleitlinienlangstreckenlauf".

Das erste Tier, das in "Fräulein Brehms Tierleben" auf die Bühne kam, war der Wolf. Er führte "Editha Filmine Brehm" nach Sachsen, wo sie die Wildbiologinnen Gesa Kluth und Ilka Reinhard für das Theatervorhaben gewinnen konnte.

"Mein Wissen über die Tiere kann ich jederzeit aktualisieren. Das habe ich dem Buch und dem Film voraus", sagt die Theatermacherin.

In diesem Jahr beschäftigt sich das Fräulein Brehm mit der Wildbiene. Deren Geschichte soll Ende August oder Anfang September auf die Bühne kommen. Für 2014 will die Theatergrenzgängerin sich die Zugvögel vornehmen und die Frage beleuchten, warum sowohl Menschen als auch Tiere wandern.

"Fräulein Brehms Tierleben" steht im Natur-Park Schöneberger Südgelände, immer sonnabends und sonntags 14 und 16 Uhr mit wechselndem Repertoire auf dem Programm. Zum "Langen Tag der Stadtnatur" am 15. Juni und 16. Juni gibt es Auszüge aus dem kompletten Berliner Repertoire: "Canis lupus - Der Wolf", "Lynx, lynx - Der Luchs", "Lumbricus terrestris - Der Regenwurm" und "Ursus arctos - Der Bär" und am 23. Juni ein "Luchsspezial". Karten zu 12,50, erm. sechs Euro unter 12 09 17 85, Info: www.brehms-tierleben.com

Karen Noetzel / KEN
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