Zustände an der Kulmer Straße zunehmend unhaltbar

Seit einigen Jahren verfallen die Bauten in der Kulmer und Alvenslebenstraße. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Seit Jahren wehren sich Mieter in einem 70er-Jahre-Wohnkomplex gegen die zunehmende Verwahrlosung ihres Hauses. Ein Eigentümerwechsel ließ neue Hoffnung aufkeimen. Doch die ist inzwischen verflogen.

Wenn Helena Messing ihre Balkontür im Wohnzimmer schließen will, braucht sie einen Teelöffel. Seit Wochen ist der Schließmechanismus kaputt, mit dem Löffelstiel stochert sie im Fensterrahmen herum, um die Tür einigermaßen dicht zu kriegen. Gemeldet hat sie den Schaden ihrem Vermieter freilich längst. Doch der reagiert nicht.

Er reagiert auch nicht auf die Meldung, dass sich in den Kellern der Kulmer Straße 1-4 und der Alvenslebenstraße 12 und 12a der Sperrmüll türmt, dass im Hof und in den Treppenhäusern Ratten rennen, dass wegen der nicht verschließbaren Haustüren Fixer und Kriminelle im Treppenhaus und im Hof herumlungern.

Seit Jahren schon ärgern sich die Mieter über die zunehmende Verwahrlosung ihres Wohngebäudes. "Ich bin hier vor 33 Jahren eingezogen, seither ist nie irgend etwas saniert worden", beklagt Mieterin Mualla Uysal. "Am Anfang war es hier so schön, aber das ist vorbei."

Inzwischen haben die Bewohner Angst um ihre Gesundheit und Sicherheit: Weil zahlreiche Lüftungsstränge nicht mehr funktionieren, bildet sich in einigen innen liegenden Küchen Schimmel. Der Aufzug sei seit Jahren nicht mehr gewartet worden und falle entsprechend öfter aus. Auch mit Gas und Wasser gibt es Probleme: Weil der Vermieter offenbar die Nebenkosten nicht regelmäßig an die Wasserbetriebe und die Gasag weiterleitet, wurde schon mit der Versorgungssperrung gedroht.

Mitte der 70er-Jahre sind die Häuser als sozialer Wohnungsbau errichtet worden. In den 90ern gingen sie dann zeitweise in Zwangsverwaltung, ab 2004 wurden sie nach und nach von einem Investor gekauft. Die Mieter sagen, dass die Probleme damals anfingen. Im April 2013 wurden sie darüber informiert, dass die Berliner Tarsap Bau- und Hausverwaltungs GmbH den Komplex als Eigentümer und Verwalter übernommen habe. Im Grundbuch ist das Unternehmen bisher nur vorgemerkt. Auf Anfrage der Berliner Woche teilte die Tarsap mit, dass sie zwar mit der Verwaltung der Anlage betraut, aber nicht der Eigentümer sei. Die Missstände seien bekannt, man könne aber "aus finanziellen Gründen nur bedingt" handeln. "Wir versuchen, die Gesamtsituation für die zahlenden Mieter erträglich zu gestalten", so die Auskunft. Wer tatsächlich Besitzer der Anlage ist, sagt das Unternehmen nicht. Auch auf die Frage, was langfristig mit dem Bau geschehen soll, blieb die Antwort schwammig: "Zurzeit wird eine Planung erstellt, wobei sicherlich Mietwohnungen eingeplant sind", heißt es.

Die Mieter sind inzwischen Dauergäste bei ihren Anwälten. Auch die Bezirksverordnete Elisabeth Wissel (Die Linke) macht sich seit Monaten für eine Verbesserung der Zustände stark. Doch auch sie ist inzwischen frustriert: "Geändert hat sich in den vergangenen Monaten nichts." Und verbessert schon gar nicht.


Ralf Liptau / flip
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