Pilotprojekt gegen Spielsucht startet jetzt in Spandau

Ein kleiner Ball erinnert an die Fragwürdigkeit von Spielangeboten im Netz. (Foto: Christian Schindler)

Siemensstadt. Nach dem Inkrafttreten des verschärften Berliner Spielhallengesetzes am 2. Juni 2011 geht die Politik das Problem der Spielsucht mit einem Präventionsprojekt an, das Mitte September in Mitte und Spandau gestartet ist.

Der Ort für die erste öffentliche Vorstellung des Projektes "Game over" am 3. November hat Symbolkraft: Der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz hat in sein Bürgerbüro am Quellweg 10 eingeladen. Jahrelang war dort eine Spielhalle beheimatet, bevor Buchholz mit seinen Mitarbeitern im Mai 2014 einzog.

Gemeinsam mit den Bürgermeistern von Spandau und Mitte, Helmut Kleebank und Dr. Christian Hanke (beide SPD), präsentierte er ein Vorbeuge-Projekt gegen Spielsucht. Seit Mitte September 2014 ist die Sozialarbeiterin Lydia Römer in den Oberschulen und Oberstufenzentren der beiden Bezirke unterwegs, um im Auftrag der Fachstelle für Suchtprävention Berlin in zwei bis drei Unterrichtsstunden Wissen über das Funktionieren von Glücksspiel in den Spielhallen und im Internet zu vermitteln.

"Wer spielt, verliert" sollte die wichtigste Erkenntnis sein, die Helmut Kleebank in dem Projekt vermittelt sehen möchte. So glauben laut Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention, zahlreiche Jugendliche, dass bei Sportwetten fundiertes Wissen über die Sportwelt Gewinne ermögliche - eine definitive Fehleinschätzung.

Bei den Terminen mit Lydia Römer erhalten die Jugendlichen unter anderem einen Fragebogen, mit dessen Ergebnissen eine mögliche Anfälligkeit ermittelt wird. Dann verweist die Sozialarbeiterin auf Beratungsangebote gegen Glücksspiel. Sie zeigt auch, wie die Gefährdung einzelner bemerkt werden kann - wenn zum Beispiel jemand nicht mehr zur Schule kommt oder nur noch übernächtigt erscheint, weil er Nächte in der Spielhalle oder vor dem Bildschirm verbracht hat.

Von den Terminen bleibt den jungen Teilnehmern auch etwas Handfestes zurück: Ein Hacky Sack beziehungsweise ein Footbag, ein kleiner Spielball, der mit @-Zeichen in Form von mathematischen Gleichungen auf ein Fragezeichen hinausläuft - auf die Frage, ob man vom Glücksspiel gerade auch im Internet überhaupt etwas hat.

Laut Dr. Christian Hanke sind oft männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund anfällig für Spielangebote. Sie würden in ihren Familien finanziell oft kurz gehalten, und erlägen dann erst recht den Angeboten zum vermeintlich schnellen Geld in den Spielhallen.

"Game over" ist zunächst bis Ende 2015 befristet, wird wissenschaftlich begleitet und soll bei Erfolg ausgeweitet werden. Laut Buchholz zeigt das Spielhallengesetz, an dem er maßgeblich mitgewirkt hat, Erfolge: "In Spandau ging die Zahl der Spielhallen von 2012 auf 2013 von 55 auf 48 zurück, in Mitte von 142 auf 139." Ein deutlicherer Rückgang wird nach Juli 2016 erwartet, wenn die Erlaubnisse für bestehende Spielhallen auslaufen, und neue nach neuem Recht (unter anderem 500 Meter Mindestabstand zwischen zwei Spielhallen, Abstand zu Kinder und Jugendeinrichtungen) genehmigt werden müssen.


Christian Schindler / CS
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