Straßen umbenennen: Bürger sollen Vorschläge für das Afrikanische Viertel machen

Wedding. Im Wahljahr packen die Bezirksverordneten das Thema Umbenennung der Straßennamen im Afrikanischen Viertel an. Das Bezirksamt soll eine öffentliche Namensdebatte starten.

Ab November soll eine Jury (bestehend aus Bezirksamt, Mitgliedern der BVV, Aktiven der Afrikanischen/Postkolonialen Community und weiteren Initiativen) eingereichte Vorschläge auswählen und eine Namensdebatte starten. Das hat der Kulturausschuss mit den Stimmen der SPD, Grünen, Linken und Piraten beschlossen. Nur die CDU hat dagegen gestimmt. Die Christdemokraten wollen keine Umbenennungen im Afrikanischen Viertel. Der Verzicht auf Straßenumbenennungen war 2011 sogar Bedingung in der Zählgemeinschaftsvereinbarung mit der SPD. Den Ausschussantrag wird die BVV am 17. März beschließen.

3 Straßen im Fokus

Umbenannt werden sollen die Petersallee, die Lüderitzstraße und der Nachtigalplatz. Er ist nach dem Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Gustav Nachtigal benannt. Die Lüderitzstraße ist nach dem Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika im heutigen Namibia aktiv war. Die Petersallee, 1939 nach dem Kolonialpolitiker und Unternehmer Carl Peters benannt, wurde 1986 auf Drängen der Anwohner bereits umgewidmet und ehrt seitdem den NS-Widerstandskämpfer und CDU-Politiker Hans Peters. Insgesamt sind 25 Straßen im Afrikanischen Viertel nach afrikanischen Ländern, Städten und Flüssen, Kolonialstützpunkten und Kolonialherren benannt. Die Benennungen erfolgten in der Kaiserzeit, in der Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und noch in den 50er-Jahren.

Afrikanische Organisationen fordern seit Jahren die Umbenennung von Straßennamen aus der deutschen Kolonial- oder NS-Zeit. Anwohner hatten im April 2011 die Initiative Pro Afrikanisches Viertel gegründet, um Straßenumbenennungen zu verhindern. Die BVV will, dass Bürger jetzt Vorschläge für die drei Straßen einreichen. Die neuen Namen sollen „Persönlichkeiten, insbesondere Frauen, der (post)kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas ehren“, heißt es in dem Antrag. „Es wird Zeit, dass wir den Tätern und Kolonialverbrechern im Stadtbild die rote Karte zeigen“, so Jenny Neubert von den Grünen. DJ
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