Katharinenhof am Preußenpark wird zehn Jahre alt

In der Kunstwerkstatt des Katharinenhofs arbeiten Senioren ihre Erinnerungen auf. (Foto: Beate Spitzmüller)

Wilmersdorf. "Weniger Bürokratie" - das war die spontane Antwort der Leitung der Pflegewohnanlage "Katharinenhof am Preußenpark" in der Sächsischen Straße 46 auf die Frage der Bundestagsabgeordneten Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), welche Wünsche sie an die Politik haben.

Pflegedienstleiterin Katarzyna Orlik und Einrichtungsleiter Axel Horn unterrichteten die Politikerin darüber, dass die Pflegekräfte bald mehr mit der Dokumentation ihrer Pflege als mit der Pflege selbst beschäftigt sind. Allein von sieben Institutionen werde die Einrichtung überprüft. "Neulich", sagt Axel Horn, "hat uns sogar der Zoll besucht."In der Regel kommen die Besucher jedoch wegen der hohen Innovationsrate des Hauses. Weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus hat sich herumgesprochen, dass es einmal im Monat hochkarätig besetzte kulturelle Veranstaltungen gibt. Da heißt es rechtzeitig kommen, um noch einen Platz zu ergattern. Die nächste Veranstaltung ist am Freitag, 20. September, 19.30 Uhr mit der Sängerin und Saxofonistin Ina Brox.

Außer Lisa Paus, die jedes Jahr zum Praktikum in eine Wilmersdorfer Pflegeeinrichtung geht, interessierte sich auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) für den Katharinenhof, der in diesem Jahr zehn Jahre besteht. Er unterrichtete sich über das Pilotprojekt "Es war einmal … Märchen und Demenz". Einmal in der Woche trug eine Schauspielerin stets im gleichen Kleid und im gleichen Raum bekannte Märchen vor, um die Wiedererkennung zu fördern.

Über solch therapeutisches Anliegen hinaus will Beate Spitzmüller den Bewohnern helfen, im Alter neue Kreativität zu entfalten. Seit dem Eröffnungstag verfolgt die Künstlerin mit sichtlichem Erfolg dieses Ziel. Im Keller hat sie eine Kunstwerkstatt eingerichtet. "Jeder, der in die Werkstatt kommt, hat sein Leben gestaltet. Mit Kunst kann er sich seine Leistung vergegenwärtigen und seine Erfahrung anderen offenbaren. Mir bleibt nur, durch intensive Begegnungen dafür die richtige Technik und Themen zu finden."

Dabei lernt die Künstlerin noch selbst: "Eine Teilnehmerin begeisterte sich für einen in einer Illustrierten abgebildeten See. Sie entschied für sich, dass dies der Wolfgangsee sei, mit dem sie einen ihrer schönsten Urlaube verband. Das übertrug sich auf andere Teilnehmer, die ebenfalls ihre Erinnerungen an den Wolfgangsee malten. Ich wusste bis dahin nicht, dass Generationen ihre eigenen Orte der Erinnerung haben."

Dank Beate Spitzmüller haben Menschen in ihrer letzten Lebensphase noch eine neue Sphäre eigener Kreativität entdecken können. Einige von ihnen mit solchem Erfolg, dass sie im hohen Alter nochmals öffentliche Anerkennung in Ausstellungen wie im Rathaus Wilmersdorf fanden.


Frank Wecker / FW
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