Waldfriede-Krankenhaus bietet eine neue Therapie an

Chefarzt Andreas Sturm setzt bei der Therapie von Darminfektionen gute gegen schlechte Bakterien ein. (Foto: M. Schmidt)

Zehlendorf. Erstmals setzt eine Berliner Klinik fremde Bakterien in den Enddarm von Patienten mit Darmentzündung ein. Am Waldfriede-Krankenhaus wird gesunder Stuhl transplantiert, um den gestörten Stoffwechsel wieder in Ordnung zu bringen.

Bereits vier Mal hat das Team von Chefarzt Andreas Sturm in der Station für Inneres am Waldfriede-Krankenhaus die Fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) vorgenommen. Das Ziel ist, einen widerstandsfähigen Bakterienhaushalt im Dickdarm wiederherzustellen. Den Betroffenen fehlt es laut Sturm nach Einnahme eines Antibiotikums an Abwehrkraft gegen das Bakterium Clostridium Difficile, das Durchfall und Darmentzündung verursacht, wenn es überhand nimmt. "Wir haben 1000 verschiedene Bakterienarten im Darm, die normalerweise im Gleichgewicht sind. Antibiotika bringen diese Balance durcheinander", sagt der 45-jährige Charité-Professor.

Sturms Angaben zufolge betrifft die Clostridien-Infektion "viele tausend Menschen jährlich" und sei ein riesiges Problem für das Gesundheitswesen.

Wo die "Standard-Therapie" eines weiteren Antibiotikums nicht mehr hilft, führen Sturm und seine beiden Assistentinnen mit Milch und Wasser verdünnten und gesiebten Stuhl mit normaler Zusammensetzung per Dickdarmspiegelung in den Darm des Patienten ein. "Starthilfe für die Wiederherstellung der eigenen Flora", nennt der Medizin-Professor seine Methode: "Die Verweildauer der neuen Bakterien im Darm reicht aus, um das Wachstum der bösen Bakterien zu unterdrücken, damit sich die gute Bakterien wieder ansiedeln."

Der Stuhl komme von Angehörigen oder Bekannten, sagt der Familienvater. Patienten könnten ihren Spender wählen. Bei einem Viertel der betroffenen Patienten muss der Eingriff nach Sturms Worten wiederholt werden. Offiziell zugelassen ist der sogenannte "individuelle Heilversuch" noch nicht. Der Eingriff wurde bislang nur noch in Zürich und Braunschweig ausprobiert. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen, sondern vom Waldfriede-Krankenhaus getragen, erklärt der gebürtige Düsseldorfer.


Martinus Schmidt / mst
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