Die Kleingärtner mit den meisten Kartoffeln

Die Geschichte der Gärten an der Roedernstraße erschlossen Günter Zobler (r.) und Wolf-Dieter Zupke anhand der Buchhaltung des Vereins. (Foto: Wrobel)
 
Nachbarn und Kleingärtner im besten Sinne: Günter Zobler (l.) und Wolf-Dieter Zupfe in der Kleingartenanlage "Roedernaue". (Foto: Wrobel)
Berlin: Kleingartenanlage "Roedernaue 1916" |

Alt-Hohenschönhausen. Mit noch nicht einmal 50 Parzellen ist die Kleingartenanlage "Roedernaue" eine der kleinsten im Bezirk. Es gibt sie aber schon 100 Jahre lang.

Die Geschichte einer Kleingartenanlage kann Spannendes erzählen. Auch, wenn sich die Recherche dieser Geschichte schwierig gestaltet. "Über den Zeitraum von 1916 bis in die 1950er Jahre habe ich kaum Material gefunden", sagt Günter Zobler. Der Gartenfreund aus der "Roedernaue" gab jedoch nicht klein bei und fügte kleine Puzzlestücke aus seinen Recherchen aneinander: "Da war etwa der Hungerwinter im Kriegsjahr 1916, der die Lehrer an der benachbarten Schule die Gärten anlegen ließ", weiß Zobler. So kam es, dass der erste Direktor der 1912 gegründeten Roedernschule auch gleichzeitig der erste Vorsitzende der Kleingartenanlage war. Jahrzehntelang waren es die Lehrer dieser Schule, welche die Kleingärten am benachbarten Friedhof der St.-Pius-und-St.-Hedwig-Kirchengemeinde anlegten und hegten.

Die Kleingartenanlage und die Roedernschule überdauerten die Zeitenwenden des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahr feiern die Gartenfreunde das 100-jährige Bestehen ihres Vereines. "Hier herrscht ein besonderes Wir-Gefühl", weiß der Gartenfreund Wolf-Dieter Zupke. Zwar sind es nicht mehr die Lehrer der Roedernschule, die hier Hecken schneiden und Gemüse ziehen, aber doch Anwohner der umliegenden Straßen: "Fast alle Gartenfreunde wohnen auch hier rund um den Obersee und Orankesee", sagt Zupke. Er leitete nach der Wende zwanzig Jahre lang die Geschicke des Vereins. Ein Verein, der in den 1990er Jahren um sein Überleben kämpfte. "Damals lagen die Gärten mehr und mehr brach", erinnert sich der 73-Jährige. Ideen waren gefragt, um die kleingärtnerische Nutzung doch noch zu sichern. Denn die Pächter vernachlässigten die Gartenarbeit. "Unser Einfall war es damals, Kartoffeln zu pflanzen.

Clevere Lösung

Die können ja vor sich hin wachsen, der Garten muss da nicht aufwendig bearbeitet werden", erinnert sich der damalige Vereinsvorsitzende und einstige CDU-Abgeordnete. Aus der ungewöhnlichen Aktion wurde mittlerweile eine Tradition: "Wir sind zwar mit 47 Parzellen eine der kleinsten Kleingartenanlagen im Bezirk, trotzdem haben wir auch in diesem Jahr die meisten Saatkartoffeln bestellt", verrät Wolf-Dieter Zupke mit einem Schmunzeln und verweist auf Anlagen, die über 600 Parzellen zählen und trotzdem weniger Kartoffeln bestellen.

Schon ein kurzer Blick in die Gärten an der "Roedernaue" verrät jedoch, dass sich die Gartenfreunde nicht nur um Kartoffeln kümmern. Es blüht und gedeiht. Seit wenigen Jahren gibt es auch endlich ein Vereinshaus, das für gemeinsame Feste genutzt wird. Mit dem Obersee und Orankesee in der Nähe, gehören die Kleingärten zu den begehrtesten in Hohenschönhausen. Doch bisweilen sind die Gärten nur ein Geheimtipp. Nächstes Jahr könnte das aber anders werden: Denn dann eröffnet der "Althohenschönhausener Seenpark" zwischen Obersee und Orankesee als Teil der Internationalen Gartenausstellung (IGA). Die Kleingärtner hoffen, sich dem Ereignis anzuschließen und ihre prächtige Anlage ebenfalls für das internationale Publikum herauszuputzen. Damit die Besucher trockenen Fußes durch die Anlage spazieren können, müsste der Hauptweg wetterfest gemacht werden. Die Kleingärtner hoffen hier auf die Finanzierung über die IGA 2017. KW
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.