Die Chris-Gueffroy-Allee führt über die frühere Sektorengrenze

Die Chris-Gueffroy-Allee trägt seit August 2010 den Namen des Maueropfers. (Foto: Ralf Drescher)

Die Chris-Gueffroy -Allee verbindet die Späthstraße mit der Neuköllnischen Allee. Und sie ist eine ganz besondere Straße, sie führt über die frühere Sektorengrenze zwischen den damaligen Bezirken Treptow und Neukölln.

Damit hat auch die Namensgebung zu tun. Die Straße, die von den Späth'schen Baumschulen durch eine Kleingartenanlage über den Britzer Verbindungskanal zu einem Neuköllner Industriegebiet führt, ist nach Chris Gueffroy (1968-1989) benannt, das letzte Opfer des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze.

„Wir wollten, dass Chris, der Einwohner unseres Bezirks war – er wohnte an der Südostallee in Johannisthal – nicht vergessen wird. Gut 20 Jahre nach dem Mauerfall waren viele Menschen zum Alltag zurückgekehrt, die Opfer des menschenfeindlichen DDR-Grenzregimes kamen nur noch selten in der Berichterstattung der Medien vor. Wer heute von Baumschulenweg zur Stadtautobahn fährt, nimmt vielleicht das Straßenschild mit dem Namen des letzten Maueropfers war“, sagt Abgeordnetenhausmitglied Stefan Förster (FDP) und Gründungsmitglied des Heimatvereins Köpenick. Gemeinsam mit dem heutigen Bürgermeister Oliver Igel wurde 2009 die Straßenbenennung auf den Weg gebracht. Ein Passus im Berliner Straßengesetz hatte es den Akteuren leichter gemacht. Darin steht, dass Doppelbenennungen zu vermeiden sind. Das traf für die damalige Britzer Allee zu, denn im nahen Niederschöneweide gibt es eine Britzer Straße. Außerdem hatte der Bezirk bereits 2004 versucht, eine Autobahnbrücke nach Chris Gueffroy zu benennen, war aber an Senatsvorgaben gescheitert.

Am 13. August 2010 erhielt in Anwesenheit von Mutter Karin Gueffroy, seines Bruders und vieler Freunde, Fluchthelfer und ehemaliger SED-Gegner die Britzer Allee ihren neuen Namen. Der Nachbarbezirk Neukölln hatte mitgezogen, deshalb konnten auch auf der anderen Seite des Verbindungskanals die Straßenschilder angeschraubt werden.

Chris Gueffroy und sein Freund Christian Gaudian hatten ganz in der Nähe der Allee am 5. Februar 1989 versucht, über die Sektorengrenze nach Neukölln zu fliehen. DDR-Grenzsoldaten schossen auf sie. Gueffroy starb, Gaudian wurde schwer verletzt und später wegen sogenannter Republikflucht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. „Wir dürfen niemals vergessen, was bis 1989 in der Welt und auch in Deutschland im Namen des Sozialismus passiert ist“, sagt Stefan Förster.

Die Britzer Allee trug ihren früheren Namen, weil sie von Baumschulenweg in den Ortsteil Britz führt. Seit wann es diese Verbindung gibt, ist nicht bekannt.

Hier können sie die Rede von Ralf Drescher, Heimatverein Köpenick, zur Namensgebung hören:

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