Schloss Biesdorf: Der Bezirk zahlt fast doppelt so viel

Die Wände in Schloss Biesdorf sind zum Teil nicht voll ausgemauert. (Foto: Jarosch)

Biesdorf. Die Nachrichten von immer neuen Katastrophen bei der Rekonstruktion von Schloss Biesdorf reißen nicht ab. Jetzt wurde bekannt, dass der Bezirk ein noch viel höheres finanzielles Risiko tragen muss als bisher angenommen.

Baubeginn war im Oktober 2013. Die Ende des Zweiten Weltkrieges abgebrannte obere Etage wird seither wieder auf- und die Innenräume zu einer Galerie umgebaut. Sie soll später Werke aus dem DDR-Kunstarchiv Beeskow zeigen. Bisher hat der Bezirk als Bauherr bereits Aufträge im Wert von rund fünf Millionen Euro für die Schlossrekonstruktion ausgegeben. Im August sind weitere Bauarbeiten im Wert von rund 800 000 Euro zu vergeben.

Die Rückschläge begannen mit Bauunterlagen, die nicht der Realität entsprachen, die die Bauleute vorfanden. Die Kellerdecke war viel dicker, weil sie zum Schutz vor Fliegerbomben während des Zweiten Weltkrieges erheblich verstärkt worden war. 300 Tonnen nicht eingeplanter Bauschutt musste entfernt werden. Dann stießen die Bauleute auf Wände, die nicht vollständig mit Ziegelsteinen hochgezogen, sondern im Kern mit Bauschutt aufgefüllt worden waren.

Zwischenzeitlich liegen erstmals genaue Zahlen zu den Mehrkosten vor. Die ursprüngliche Bausumme belief sich auf 8,925 Millionen Euro. Sie ist auf geschätzte 10,35 Millionen Euro gestiegen. 3,75 Millionen Euro sollen vom Senat über den Europäischen Kulturfonds und 3,5 Millionen Euro von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin fließen. Der Eigenanteil des Bezirks sollte ursprünglich 1,675 Millionen Euro betragen. Er hat sich durch die Mehrkosten von 1,425 Millionen Euro, die der er allein schultern muss, fast verdoppelt.

Das Schloss wird zudem erst im April 2016 fertig. Die Fördermittel müssen aber bis Ende 2015 verbraucht sein. Um das zu schaffen, hat das Bezirksamt den Bauablauf geändert. Die Einweihung der Galerie soll zwar fristgerecht 2015 erfolgen, allerdings mit unverputzter Fassade. Sie soll später und nur aus der Bezirkskasse bezahlt werden. Dafür muss aber eine Zustimmung der Fördermittelgeber vorliegen. Der Senat hat sie erteilt. Der Stiftungsrat der Klassenlotterie wird erst im September eine Entscheidung fällen können.


Harald Ritter / hari
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