Partys und Lagerfeuer: Verstöße gegen Landschaftsschutzes

Sieht eigentlich idyllisch aus: Der große Kiessee Arkenberge. (Foto: Bernd Wähner)
 
Die Hinweisschilder des Bezirksamtes wurden als Brennmaterial benutzt. (Foto: Bernd Wähner)

Blankenfelde. Es ist eigentlich ein idyllischer Flecken im Bezirk: das Gebiet kleiner und großer Kiessee Arkenberge. Doch das Idyll trügt.

Wer unter der Woche an einem frühen Vormittag auf den ausgetretenen Wegen am Ufer der Seen unterwegs ist, kann sich richtig entspannen. Hier wachsen Gräser, Sträucher und Bäume noch ganz ursprünglich – ein Paradies für Vogelarten wie Eisvogel, Zwergdommel oder den Roten Milan. Auch Zauneidechsen und andere Reptilien huschen durch die Landschaft.

Um die Flora und Fauna in diesem Gebiet zu schützen, stellte der Senat den Bereich um den kleinen Kiessee 2004 unter Landschaftsschutz. Der große Kiessee und seine Uferlandschaft gelten als Biotop. In diesem Gebiet ist also gesetzlich geregelt, was erlaubt ist und was nicht.

Das Bezirksamt stellte entsprechende Informationsschilder auf. Doch davon sieht man nichts mehr. „Die Schilder werden immer wieder von Leuten, die hier illegal Lagerfeuer entfachen, abgerissen und als Brennmaterial benutzt“, berichtet unser Leser Hans Himmel (Name geändert). Der Naturfreund verbringt sehr viel Zeit an den Seen. Er beobachtet und fotografiert die beeindruckende Tierwelt. Da bekommt er fast täglich mit, was in diesem scheinbaren Idyllenicht rund läuft und an Ordnungswidrigkeiten stattfindet.

Beim Vorort-Termin mit Hans Himmel gewinnt der Reporter einen kleinen Eindruck davon. Ein kommerzieller Hundeausführer ist mit acht unangeleinten Vierbeinern unterwegs. Einige machen Jagd auf Enten. Eigentlich haben Hunde im Landschaftsschutzgebiet nichts zu suchen. Das offizielle Hundeauslaufgebiet Arkenberge ist ein paar Meter entfernt.

Dann entdecken wir am kleinen Kiessee Angler. Auch Angeln ist hier untersagt. Alle paar Meter weist Hans Himmel auf frische Feuerstellen. „Trotz hoher Waldbrandwarnstufe werden hier fast jede Nacht Lagerfeuer gemacht“, sagt er. Als Brennmaterial dienen die Schilder. Der Naturfreund präsentiert mehrere Stellen, an denen Leute Bäumchen abgeschlagen oder abgesägt haben. Dann entdecken wir einen Ort, an dem mehrere Personen offenbar genächtigt haben. „Ich habe schon Lager mit bis zu acht Zelten entdeckt“, berichtet Hans Himmel.
Schließlich zeigt er eine perfekt modellierte BMX-Bahn. „Die Crossfahrer machen gewaltig Lärm. Noch schlimmer ist es aber, wenn die Leute große Partys veranstalten.“ Die bringen dann ihre eigene Stromversorgung und große Boxen mit. Die Musik hört man meilenweit.

Immer wieder informiert unser Leser das Ordnungsamt und die Polizei über das Geschehen. Der Pankower Stadtrat für öffentliche Ordnung, Torsten Kühne (CDU), bestätigt, Ordnungsamt und Polizeiabschnitt würden regelmäßig von Bürgern verständigt.Doch es sei nicht möglich, „jedes Mal umgehend vor Ort zu erscheinen, um die Ordnungswidrigkeiten zu ahnden“, so Kühne. So wird von so manchen der Bereich der Kiesseen Arkenberge inzwischen unverhohlen als rechtsfreier Raum bezeichnet.

Katrin Koch vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kennt die Zustände sehr genau. Sie wirft dem Bezirk vor, in den vergangenen Jahren zu wenig unternommen zu haben. Mit einem geschickt angelegten Wegenetz und der Abgrenzung wirklich sensibler Bereiche von Mensch und Hund wären schon einige Probleme zu lösen.

Weil sich nichts tat, habe sich ein Gewohnheitsrecht durchgesetzt. „Jeder weiß, dass dort niemand richtig kontrolliert“, so Katrin Koch. Sie fordert konzertierte Aktionen von Ordnungsamt und Polizei. Es müsse sich herumsprechen, dass Verstöße gegen den Landschaftsschutz geahndet werden. Außerdem fordert sie, dass der geplante Pflege- und Entwicklungsplan endlich fertiggestellt wird.
Abzusehen ist, dass es in diesem Sommer an den Seen wieder turbulent zugehen wird. Dafür sorgt auch die Tatsachen, dass die Gewäsesr bei schönem nämlich auch unzählige Menschen anziehen, die hier baden. Auch das ist offiziell verboten, erklärt Stadtrat Kühne. Die Wasserqualität der Seen wird nämlich nicht kontrolliert. So begibt sich hier jeder auf eigene Gefahr ins Wasser.

BW
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