Schüler erforschten Geschichte der Zwangsarbeiter

Amelie und Emilia suchten mit ihren Mitschülern die Orte der Zwangsarbeit in Buch auf und fotografierten sie. (Foto: BW)

Buch. An der Turnhalle der Grundschule am Sandhaus könnte es schon bald eine Gedenktafel geben. Auf dieser soll daran erinnert werden, dass sich in diesem Gebäude in den 40er-Jahren ein Zwangsarbeiterlager befand.

Die Geschichte dieses sowie weiterer Zwangsarbeiterlager in Buch erkundeten in den vergangenen Wochen Schüler aus der Grundschule am Sandhaus und aus der Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte gemeinsam. Das Projekt "Zwangsarbeit in Buch" war Bestandteil des Religionsunterrichts. Die Schüler recherchierten, wo Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, wo sie untergebracht waren und wie viele von ihnen in Buch umkamen.

Unterstützung bei diesem schwierigen Thema fanden die Schüler bei Rosemarie Pumb. Diese widmet sich seit vielen Jahren einem in großen Teilen noch unerforschten Kapitel der Geschichte der früheren Krankenhausstadt Buch. Sie forscht, schreibt und publiziert über die Ermordung von Zwangsarbeitern und die systematisch betriebene Euthanasie während der Nazizeit in der Heil- und Pflegeanstalt Buch. Rosemarie Pumb fand bei ihren Recherchen in Sterbe- sowie in Taufbüchern heraus, dass in Buch mindestens 100 Kinder von Zwangsarbeitern starben. Gemeinsam mit den beiden Schulen und der evangelischen Kirchengemeinde initiierte sie das Schülerprojekt.

In Buch waren circa 1000 Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie verrichteten vor allem Arbeiten in den Krankenhäusern, auf dem Güterbahnhof sowie auf den Bauernhöfen. Etwa 450 Zwangsarbeiter starben aufgrund der unmenschlichen Bedingungen. Die Schüler aus fünften und sechsten Klassen recherchierten und dokumentierten, wo sich Zwangsarbeiterlager und Einsatzorte befanden. Besonders widmeten sie sich der Turnhalle der Grundschule am Sandhaus. Diese ist gerade erst frisch saniert worden. Dass in ihr einmal etwa 100 Zwangsarbeiter unter unwürdigen Bedingungen lebten, kann sich heute kaum jemand vorstellen. Auf Anregung ihres Schulleiters, Andreas Grimm, setzen sich die Schüler deshalb für eine Gedenktafel an ihrer Turnhalle ein.

Ihren Antrag sowie die Ergebnisse ihrer Projektarbeit präsentierten sie kürzlich den Vorsitzenden der Pankower Gedenktafelkommission, Kulturstadtrat Dr. Torsten Kühne (CDU). Der sagte zu, dass sich die Gedenktafelkommission des Themas annehmen werde.


Bernd Wähner / BW
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