Grüne fordern Umplanung des Bürgeramts in den Wilmersdorfer Arcaden

Charlottenburg. Die Verträge sind unterzeichnet, der Umzug des Bürgeramts in das Einkaufszentrum steht fest. Doch nun protestieren die Grünen gegen die "Kaufhausatmosphäre" und fordern einen neutralen Wartebereich. SPD und CDU sehen kein Problem.

Wer zum Schalter will, muss an Schaufenstern vorbei. Und wer warten muss, wird dem Einkaufsrummel ausgesetzt. Diese Befürchtungen zur Verlegung des Bürgeramts aus dem Rathaus Charlottenburg in die Wilmersdorfer Arcaden treiben die Grünen seit einigen Wochen um. Jetzt stießen sie in der BVV zu diesem Thema eine Debatte an. Änderungen der Pläne, so viel stellte die zuständige Stadträtin Dagmar König (CDU) klar, kann es nicht mehr geben. Voraussichtlich im Mai beginnen die Behördengänge im Center an der Wilmersdorfer Straße.

Und König sieht dort für bis zu 480 Kunden pro Tag gegenüber den zugigen Fluren des Rathauses "eine angenehmere Wartesituation". Hier mussten sie im Winter bei 15 Grad rund 160 Minuten verharren - sofern sie den Termin nicht vorher reserviert haben. Dann sind immer noch 20 Minuten Wartezeiten üblich. Währenddessen könnten Kunden in den Wilmersdorfer Arcaden Einkäufe tätigen oder im Center sitzen, ohne die Verpflichtung etwas zu kaufen. Anzeigetafeln für die Wartenummern seien vorhanden.

Aber schon die Tatsache, dass der Warten im Einkaufsbereich zum Konzept des neuen Amts gehört, betrachtet Petra Vandrey von den Grünen als Zumutung. "Es gibt Menschen, die Shoppingcenter nicht mögen. Und es gibt Leute, die nicht gerne einkaufen gehen", betonte sie mit Blick auf klamme Hartz VI-Bezieher.

König entgegnete, dass es auch Menschen gebe, denen beim Gang ins Rathaus mulmig wird. Alle gesetzlichen Bestimmungen habe man beachtet - "sonst würden die Arbeitsplätze gar nicht abgenommen." Annegret Hansen von der SPD wies darauf hin, dass der Umzug einvernehmlich entschieden worden war. "Lassen Sie uns das Experiment wagen", bat sie. Noch weniger Verständnis für die "Konsumterror"-Argumente der Grünen hatten die Verordneten der CDU: "Liebhaber von Linoleumböden können ja ein anderes Amt besuchen", scherzte Paul-Georg Garmer.


Thomas Schubert / tsc
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