Theater Morgenstern und das Kunstprojekt „Wartesaal“ mit geflüchteten Frauen

Theaterleiterin Pascale Senn Koch erklärt das Kunstprojekt "Wartesaal" – selbstverständlich ganz theatralisch. (Foto: KEN)
Berlin: Theater Morgenstern |

Friedenau. „Wir wollen das Warten als Chance begreifen“, sagt Pascale Senn Koch. Die Schauspielerin, die gemeinsam mit ihrem Mann Daniel Koch das Theater Morgenstern leitet, hat die Wartesituation geflüchteter Frauen in der Notunterkunft im Rathaus Friedenau in einem Kunstprojekt aufgegriffen.

Zwei intensive Wochenenden haben Frauen aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan, Vietnam, Guinea, Nigeria und Angola gemeinsam mit der Berliner Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt und der Münchner Bühnenausstatterin Tina Güllich unter Projektleitung der freien Theatermacherin Janina Sasse verbracht.

Die Projektteilnehmerinnen, zu denen auch die Friedenauerin Solveig gestoßen war, stellten sich die Frage, was sie wohl auf einer Reise in die Zukunft in einem „Lebenskoffer“ mitnähmen, was sie lieber zurücklassen, wovon der Abschied schwer fiele und wohin sie eigentlich reisen wollten.

Zu diesen Fragen sammelten die Frauen ganz unterschiedlichen Alters bildhaftes Material und gestalteten damit ihren ureigenen „Wartesaal“. Der sei für sie momentan ein Transitraum auf dem Weg in die Zukunft, so Theaterleiterin Pascale Senn Koch.

Installation in der Garderobe

Solveig etwa formte ihre Hände ab und drapierte sie verschieden. Sie sollen „helfende Hände“ darstellen. „Ich habe Freundinnen gefunden“, sagt die Friedenauerin über ihre Teilnahme am Workshop. Eine andere Teilnehmerin gestaltete aus Muscheln und Schmuckelementen Märchenfiguren aus dem persischen Kulturraum.

Konkret ist der „Wartesaal“ der Parkettsaal im Rathaus Friedenau. Ihn nutzt das Theater Morgenstern als Theatergarderobe. Er wurde während des Workshops in eine Rauminstallation verwandelt. In der Mitte befindet sich ein „Fahrkartenhaus“ aus Euro-Paletten. Es ist mit Wichtigem im Leben der Frauen und ihren persönlichen „Lebensfahrplänen“ bemalt beziehungsweise bestückt. „Hier fliegen Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen in die Welt hinaus und die Lebenskoffer liegen zur Ausstattung bereit“, erklärt Pascale Senn Koch.

„Die Arbeit handelt zu allererst davon, sich zu begegnen und Freundinnen zu finden“, fügt Hildegard Kurt, Gründerin des Instituts für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit, hinzu. Die Frage, wohin die Lebensreise gehe, sei für jede der Frauen eine interessante Frage gewesen.

Bis zum 31. August können Interessierte dienstags, mittwochs und donnerstags von 11 bis 12.30 Uhr die Installation im Rathaus Friedenau, Eingang Rheinstraße 1, besuchen. Die Teilnehmerinnen aus der Notunterkunft werden in der Zeit an ihren Koffern oder an anderer Stelle der Rauminstallation weiterarbeiten. Es gibt Gelegenheit, Kaffee zu trinken und ins Gespräch zu kommen; www.theater-morgenstern.de. KEN
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