Theater Morgenstern verärgert mit seinen Aktionen das Bezirksamt

Daniel Koch beim Installieren eines der beiden Protestplakate. Kurz darauf wurden die Aufsteller von der Verwaltung entfernt. (Foto: KEN)

Friedenau. Der Bezirk räumt zu Jahresende das Rathaus Friedenau. Neuer Hausherr wird das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen. Das mag keinen Publikumsverkehr, weswegen der Schlesiensaal dicht gemacht wird. Das Theater Morgenstern demonstriert gegen seinen Rauswurf. Das gefällt dem Bezirksamt nicht.

Die erste Protestaktion, die Verteilung von Päckchen mit Requisiten an alle Bezirksverordneten und die Bezirksamtsmitglieder, ist ins Leere gelaufen. Die Theatermacher Pascale Senn Koch und Daniel Koch wollen ein Bewusstsein schaffen für die Konsequenzen, die der Einzug der Finanzbehörde haben wird.

Die Bühne von der Größe eines Stadttheaters macht seit 20 Jahren niveauvolles Kinder- und Jugendtheater. "Wir übernehmen selbstverständlich viele Aufgaben, die schon längst dem Sparzwang der öffentlich Hand zum Opfer gefallen sind", schreibt Pascale Senn Koch in einem Brief an Baustadtrat Daniel Krüger.

Umso mehr fühlt sich das Theater vom Bezirk allein gelassen. Er setze sich nicht für den Erhalt der Spielstätte ein und helfe auch nicht bei der Suche nach einem neuen Ort. Zudem kritisiert das Theater, die Öffentlichkeit werde über die mögliche Schließung nicht genügend informiert.

Als weitere Protestaktion hatte das Theater am frühen Abend des 27. Mai auf den Stufen des Rathauses am Breslauer Platz zwei Aufsteller mit "Friedenau kulturlos?" übertitelten Plakaten positioniert. Hier handelte die Verwaltung ungewöhnlich schnell. Noch am selben Abend wurden die Aufsteller entfernt, ebenso die im Foyer ausgelegte Theaterzeitung.

Ein Mitarbeiter der Abteilung Bauwesen und Facility Management teilte Pascale Senn Koch mit: "Ein Rathaus ist ein Ort der Neutralität, auch wenn in den politischen Gremien des Bezirksamts selbstverständlich die Öffentlichkeit betreffende Themen wie das Kulturangebot kontrovers diskutiert werden. Genau dafür stehen aber auch diese Gremien zur Verfügung. Im geeigneten Rahmen kann natürlich auch in der Öffentlichkeit selber gestritten werden, allerdings eben nicht an einem der Neutralität verpflichtetem Ort wie einem Rathaus." Und weiter: "Ich untersage Ihnen hiermit ausdrücklich, andere als auf kommende Vorstellungen des Theaters hinweisende Aufsteller auf den Flächen des Rathauses zu installieren. Gleiches gilt für die von Ihnen im Foyer des Rathauses ausgelegte Theaterzeitung." Das Theater Morgenstern wird sich nun alternative Standorte suchen, die nicht "der Neutralität verpflichtet" sind. Eine Aufstellung auf dem Breslauer Platz wurde beantragt.

Der Ausschuss für Verwaltung, Kommunikation und Information unter Vorsitz von Michael Ickes (Piratenpartei) hat das Theater Morgenstern noch nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt. Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) meint zum Vorwurf mangelnder Information der Bürger, die Schließung des Rathauses sei in genügend Ausschüssen Thema gewesen und die Öffentlichkeit ausreichend informiert. Für das Theater hätte man gern eine Lösung, so Schöttler. Sie gebe es aber leider nicht.


Karen Noetzel / KEN
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