Anisa und ihre Mutter wünschen sich Patengroßeltern

Sandra Brose (rechts) und ihre Tochter Anisa knüpfen im Elterncafé nicht nur Kontakte, sondern haben auch viel Spaß. (Foto: Wrobel)

Friedrichsfelde. Wenn Sandra Brose ihrer kleinen Tochter ein Buch vorliest, ist kein Wort zu hören. Eine gehörlose Mutter muss oft zusätzliche Alltagshürden überwinden. Sandra Brose ist nur eine von vielen Müttern, die nach einer Patenoma sucht.

"Anisa ist eine kleine Wilde, sie will ganz viel spielen", erklärt Sandra Brose lachend. Stets hat sie ihre kleine Tochter im Blick. "Der Blickkontakt ist sehr wichtig, ohne den geht es nicht. Ich muss immer sehr aufmerksam sein", erklärt die junge Mutter. Sandra Brose ist gehörlos. Sie verständigt sich mit ihrer kleinen Tochter in Gebärdensprache. Die zweijährige Anisa kennt die wichtigsten Zeichen: "Essen, trinken, Mama, Papa - die Gebärdensprache ist für Anisa wichtig, damit sie sich mit mir unterhalten kann. Mir ist es aber auch wichtig, dass sie die Lautsprache gut beherrscht", erklärt Brose. Denn im Gegensatz zu ihrer Mutter kann Anisa hören. Sie spricht neben der Gebärdensprache auch die ersten hörbaren Worte und Sätze. Ihrer Tochter die Lautsprache beibringen kann Sandra Brose aber nicht. Bücher vorlesen, Hörspiele hören - hier ergreift die junge Mutter die Hilfe anderer. Auch deshalb besucht sie zusammen mit Anisa gerne das Elterncafé des Vereins Berliner Familienfreunde in der Dolgenseestraße 21. "Hier kann Anisa mit anderen hörenden Kindern spielen und ich kann mich mit anderen Müttern austauschen", erklärt Brose. Auch wenn die anderen Mütter die Gebärdensprache nicht beherrschen - Stift und Block helfen in der Kommunikation. Manchmal gelingt es der jungen Frau, ihrem Gegenüber die Worte von den Lippen abzulesen.

Wie viele andere Mütter auch versucht Sandra Brose Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. "Natürlich bin ich manchmal gestresst von der Arbeit und wünsche mir, einfach mal abzuschalten."

Als Servicekraft in der Gastronomie arbeitet sie acht Stunden am Tag, nicht selten auch am Samstag. Wo andere in dieser Situation von Oma und Opa entlastet werden, wird Sandra Brose von ihrem Freund unterstützt. "Ursprünglich komme ich aus Österreich. Dort lebt auch meine Familie." Sie wünscht sich deshalb mehr familiäre Unterstützung im Berliner Alltag. Eine solche Unterstützung macht etwa das Projekt der Patengroßeltern möglich, das durch den Verein der Berliner Familienfreunde initiiert wurde. Es sind Senioren, die ehrenamtlich Familien über lange Zeit unterstützen.

Ehrenamtliche gesucht

"Wir konnten schon viele Patenomas und -Opas an Familien vermitteln. Wir brauchen aber dringend mehr Freiwillige, die sich ehrenamtlich engagieren wollen", sagt Birgit Plank, Leiterin des Projekts der Familienpaten. Die Patengroßeltern sollen in regelmäßigen Abständen mit den Kindern etwas unternehmen. Das gibt wiederum den Familien einen zeitlichen Freiraum, um etwa Behördengänge zu erledigen. Sandra Brose ist nur eine Mutter von vielen, die auf Unterstützung durch eine Patenoma hofft. "Auch wenn die Kommunikation zuerst immer schwierig ist, lernt man mit der Zeit, sich zu verstehen", sagt sie. Auf die Frage, welches Zeichen in der Gebärdensprache "Oma" bedeutet, antwortet Sandra Brose mit einer kleinen Handbewegung. Sie deutet einen Dutt an. Wo in der Gebärdensprache "Oma" gleich "Dutt" bedeutet, das muss aber auf eine wahre Oma nicht unbedingt zutreffen. "Wie die Oma sein sollte, da möchte ich mich überraschen lassen", lacht die Mutter. "Sie sollte eine offene, lockere Person sein. Aber auch eine liebevolle Strenge mitbringen, um mit Anisa auch die Lautsprache zu üben."

Infos über das Projekt beim Verein Berliner Familienfreunde, Dolgenseestraße 21, 85 71 46 56; www.berliner-familienfreunde.de.

Karolina Wrobel / KW
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