Spandauer Patinnen berichten von der Unterstützung von Flüchtlingen

Claudia Matys-Hartmann und Aimad sind gute Freunde geworden. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Zhala und Massoud mit ihrer Tochter Marlin und Hildburg Matuszweski-Nagel. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: AWO-Refugium |

Gatow. 25 Spandauer haben seit 2015 eine Patenschaft für Flüchtlinge aus dem Awo-Refugium im Waldschluchtpfad übernommen. Aber wie sieht diese Hilfe konkret aus? Zwei Patinnen erzählen.

Die Omaris leben seit neun Monaten in der Gemeinschaftsunterkunft am Waldschluchtpfad. Zhala ist 21 Jahre alt, ihr Mann Massoud 32. Die beiden sind gerade im Baby-Glück. Vor vier Monaten kam nach zwei Fehlgeburten Tochter Marlin zur Welt. Jetzt ist die kleine Familie komplett. Ein bisschen gehört auch Hildburg Matuszweski-Nagel dazu. Denn die Gatowerin und die Omaris aus Afghanistan sind mehr als gute Bekannte. Hildburg Matuszweski-Nagel hat vor eineinhalb Jahren die Patenschaft für die Omaris übernommen. Sie weiß von ihrer Flucht übers Mittelmeer ohne Wasser und Essen, von dem untauglichen Boot, in dem beide fast ertrunken wären und von den Folgen für Zhalas Körper und Psyche. Sie kennt ihre Wünsche und Hoffnungen und ihren starken Willen, endlich in einem ganz normalen Leben anzukommen.

Genau dabei hilft ihnen Matuszweski-Nagel. Die 65-Jährige ist für sie die erste Anlaufstelle für alle Fragen des täglichen Lebens. Sie begleitet sie zum Arzt, zum Einkauf, zum Landesamt für Flüchtlinge, hilft ihnen durch den Behördendschungel und die nötigen Formulare auszufüllen. Sie hat mit ihnen den BVG-Plan studiert und ihnen die Wege erklärt. „Das war anfangs natürlich intensiver als jetzt“, sagt die Gatowerin. Mittlerweile kommen die Omaris gut allein zurecht. Dank der Hilfe zur Selbsthilfe. Sie haben Kontakte nach draußen geknüpft, und vor allem Zhala spricht gutes Deutsch. Sie geht zum Babyturnen und näht, er hat sich in einem Fitnesscenter angemeldet. Drinnen im Heim ist das Ehepaar zum Warten verurteilt. Als afghanische Flüchtlinge sind sie nur geduldet und haben damit keinen Anspruch auf einen Integrationskurs. Sie dürfen nicht arbeiten, keinen Wohnberechtigungsschein beantragen und keine eigene Wohnung suchen. Sie würde gern eine Ausbildung zur Krankenschwester machen, erzählt Zhala. Das Abitur hat sie, nur kein staatliches Zeugnis vom Deutschkurs. Ihr Mann ist Mechatroniker, betrieb zu Hause eine Autowerkstatt. Er ist ein freundlicher und guter Mann, sagt Zhala. Und er gibt ihr Kraft. „Deutschland ist jetzt unser Zuhause. Wir wollen nicht zurück“, sagt Zhala. „Dort müsste ich als Frau zu Hause bleiben, könnte nicht arbeiten und meine Tochter nicht studieren.“ Im August läuft die Duldung der Omaris ab. Derzeit kämpft ihr Rechtsanwalt um eine Verlängerung.

Das Warten kennt auch Claudia Matys-Hartmann. „Das ist furchtbar und zermürbt die Menschen.“ Die Kladowerin gibt Deutschunterricht im Waldschluchtpfad und hat so vor zwei Jahren ihren Paten Aimad Aoun kennengelernt. Aimad (33) kommt aus Libyen. In Tripolis arbeitete der Mechaniker bei einer Ölgesellschaft. 2013 hatte er einen Verkehrsunfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Nur einmal in der Woche sehen sich die zwei. „Ich motiviere ihn, wo ich kann. Aber er soll selbstständig sein“, sagt Claudia Matys-Hartmann. Die 62-Jährige mag ihren Schützling. „Er ist sehr respektvoll und interessiert.“ Auch Aimad will sich in Deutschland weiterbilden. „Ich kann mit meinen Händen arbeiten, als Übersetzer oder in der Behindertenpflege“, sagt er. Doch der Weg dahin ist schwer. Das Bundesamt für Migration hat ihn aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen das Land zu verlassen. Das wäre Ende Juni. Mit Hilfe der Asylberater im Heim hat er Einspruch gegen die Abschiebung eingelegt. Jetzt sucht ihm Claudia Matys-Hartmann einen Rechtsbeistand.

Fragt man Hildburg Matuszweski-Nagel und Claudia Matys-Hartmann nach der Belastung, die diese Patenschaften für sie bedeutet, winken beide ab. Für sie ist es vor allem eine Bereicherung, eine ganz wesentliche Erfahrung in ihrem Leben. Fremde Menschen kennenlernen zu dürfen, die von so weit her kommen. Und dann zu merken, wie viele Gemeinsamkeiten man doch hat.

Was kann ich investieren? Jeder Pate entscheidet selbst

25 Patenschaften sind seit 2015 im Awo-Refugium entstanden. Betreut werden sie von Ehrenamtskoordinatorin Gerit Probst. In Haus 3 hat sie ihr Büro. Die Paten und die Flüchtlinge finden sich auf ganz unterschiedliche Weise. Im Deutschkurs oder Mitarbeiter aus dem Haus berichten Gerit Probst von Familien, die Interesse haben und das sind viele. Oder jemand wird von einem Flüchtling nach dem Weg gefragt. Auch daraus kann eine Patenschaft wachsen. Schriftlich vereinbart wird nichts. „Jeder Pate kann selbst entscheiden, wie viel Zeit er investieren will“, sagt Gerit Probst. Und was er tun will: Kindern bei den Hausaufgaben helfen, zu Behörden begleiten, Ausflüge unternehmen, zusammen Kochen oder einfach nur da sein und reden. „Unsere Bewohner wünschen sich nichts mehr, als den Kontakt zu Einheimischen. Das gibt ihnen das Gefühl angekommen zu sein“, sagt Gerit Probst. Nur eines kann die Ehrenamtskoordinatorin nicht vermitteln: Sympathie.

Wer sich für eine Patenschaft interessiert, sollte am 28. Juni ins Gemeindehaus der Evangelischen Kirche in Kladow kommen. Dort, am Kladower Damm 369, stellt sich um 18 Uhr die Patenschaftsinitiative vor. uk
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