Weihnachtsgeschichte: Peterle und der Beelzemertel Teil 2 > von Uschi Hahn

Liebe Leser, da ich in der Adventszeit nicht viel erleben werde, dachte ich mir ich schicke Euch ein Weihnachtsmärchen, das ich vor vielen Jahren mal geschrieben habe. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei und darf für private Zwecke kopiert werden eure Uschi Hahn
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Peterle und der Beelzemertel Teil 2

Als Beelzemertel in seinem Reich war, knallte er die Tür mit dem Fuß zu und warf sich den Jungen von seinen Schultern. „So, das hätten wir“, brummte er dabei vor sich hin und begutachtete seinen Fang nicht ohne Stolz, als er den Sack öffnete. Peterle hatte die ganze Zeit gestrampelt und war nun davon etwas müde und schwach. Auch seine Stimme hatte etwas darunter gelitten. Aber er staunte nicht schlecht, als er sah, wo er sich befand. „Ich will sofort nach Hause“, krächzte Peterle und stampfte dabei mit seinem Fuß auf den Boden. „Ho, ho, ha, ha!”, lachte der Beelzemertel. „So so, du willst, aber nichts hast du zu wollen. Das hier ist von nun an dein Zuhause. Hast du mich verstanden? Nie wieder wirst du hier herauskommen.“

Peterle schaute sich in der Höhle um und hörte in der Ferne Wasser plätschern. Unwillkürlich schüttelte er sich, denn hier war es fürchterlich kalt. Der Beelzemertel erklärte ihm, dass eine Flucht von hier unmöglich sei. Die schwere Tür im Tunnel würde er nie aufbekommen, denn dafür wäre Peterle viel zu schwach.

Überall hingen brennende Fackeln und von der Wand fielen große Wassertropfen, die in der Höhle schon einen kleinen See gebildet hatten. Mitten im Raum stand ein Tisch mit zwei Stühlen und an der einen Wandseite sah Peterle ein riesiges Bett aus Baumstämmen, das mit einem Bärenfell bedeckt war und dessen muffiger Geruch bis zu ihm herüber drang. Stumm rümpfte er seine kleine Nase. ‚Igitt, igitt, da leg ich mich nie und nimmer hinein‘, dachte Peterle bei sich. Sein Blick wanderte weiter und blieb an einem Regal hängen, auf dem sich Blechgeschirr befand, das ziemlich unansehnlich wirkte. Aber das Schlimmste war, dass es hier entsetzlich nach Moder und Sumpf roch. Der Junge schüttelte sich vor Ekel, trat Beelzemertel gegen das Schienbein und krächzte mit heiserer Stimme. „Ich will hier raus, hier will ich nicht bleiben. Bring‘ mich sofort heim!“ Aber der Beelzemertel lachte so laut, dass es von den Wänden schallte und nur noch grässlich klang.
„So, so, du forderst schon wieder. Na dann fordere mal ruhig weiter, denn ich höre jetzt nämlich gar nicht mehr hin“, antwortete der Mann, griff nach dem Knaben und warf ihn auf das Bett, wo er dank des Bärenfells weich landete. „Du bleibst bei mir und wirst nie wieder die Sonne oder sonst etwas von draußen sehen. Oben werden sie froh sein, endlich vor dir und deinen bösen Streichen Ruhe zu haben. Deine liebe Mutter hat dich doch oft genug gebeten, vernünftig zu sein, oder nicht?“ Stumm nickte Peterle und spürte zum ersten Mal in seinem Leben, wie Tränen über seine Wangen liefen. Oh ja, Mutter hatte ihn nur allzu oft ermahnt, aber er hatte ja nie auf sie gehört. ‚Ob sie mich schon vermissen und suchen?‘, fragte er sich im Stillen. ‚Oder ist es ihnen wirklich egal, was aus mir werden soll?‘

„Von nun an wirst du mir hier unten helfen und wehe, du gibst mir Anlass, mich über dich zu ärgern. Dann kannst du was erleben“, brummte Beelzemertel. Er befahl dem Knaben, am nächsten Morgen das Blechgeschirr zu putzen, bis es so blitzblank sei, damit er sich darin spiegeln konnte. Dann legte er sich zu dem Jungen ins Bett und fing sogleich zu schnarchen an. Peterle konnte sich kaum bewegen, da der Beelzemertel ihn fest umschlungen hielt. Er schluchzte noch lange vor sich hin. Als er sich einmal bewegte, spürte er sofort den festen Griff des Mannes und begriff, dass er gefangen war – auf immer und ewig.

Peterle bereute nun seine Streiche. ‚Ach, hätte ich nur auf mein liebes Mütterchen gehört. Dann würde ich jetzt in meinem warmen Bettchen liegen. Werde ich sie wirklich nie wiedersehen?‘, fragte er sich wie schon so oft in den letzten Stunden. Irgendwann fielen ihm die Augen zu, doch sein Schlaf wurde von wirren Träumen heimgesucht. Unruhig wälzte er sich hin und her. Dazwischen waren schwere Seufzer zu hören.

Am nächsten Morgen bekam Peterle altes Brot und saure Milch zum Frühstück. Da musste er daran denken, wie liebevoll daheim immer der Tisch gedeckt war. Doch er hatte es nie bemerkt, da er ja immer nur neue Streiche ausgeheckt hatte. Seine Familie hatte ihn trotzdem gemocht, obwohl er es manchmal ganz schön arg getrieben hatte. ‚Nun sitze ich hier und weiß nicht, was aus mir werden soll‘, dachte der kleine Junge, und dabei liefen ihm wieder Tränen übers Gesicht, die er aber schnell wegwischte. Bisher hatte er keine Tränen gekannt und nun entwickelte er sich zu einer Heulsuse.

Peterle kletterte auf einen Stuhl, holte sich das Blechgeschirr vom Regal herunter und machte sich daran, es zu putzen. Vom Beelzemertel war nichts zu sehen. Der war in der Frühe schon aus der schweren Tür verschwunden. Peterle hatte danach mehrmals versucht, diese zu öffnen, aber er war zu klein und viel zu schwach dafür. Er hauchte den Blechnapf an und wienerte so lange daran herum, bis er sich wirklich darin spiegeln konnte. Aber ihm taten dabei die Hände weh und als er nach einem Teller griff, fiel dieser mit lautem Gepolter hinunter. Schon wollte er danach treten, aber er besann sich eines Besseren, hob ihn auf und machte sich wieder an seine Arbeit.

Da er keine Uhr besaß, wusste er auch nicht, ob es Tag oder Nacht war. So zog sich die Zeit dahin und der Junge verlor jedes Gefühl dafür. War er nun schon Tage hier? ‚Ach könnte ich doch nur wieder zu Hause sein‘, dachte Peterle reumütig. ‚Nie wieder würde ich Streiche spielen und den Eltern Kummer bereiten.“
Je länger er nun hier in der Höhle war, umso mehr bereute er seine Schandtaten. Aber was nützte es ihm? Es war jetzt viel zu spät und finden würde ihn hier niemals jemand, falls man überhaupt nach ihm suchte. Wie gerne würde er jetzt seinem Vater bei der Arbeit helfen, der ihn oft darum gebeten hatte, während Peter nur immer seinem Vergnügen nachging.

Dem Beelzemertel konnte er nichts recht machen. Immer schimpfte der mit ihm, obwohl sich Peterle große Mühe gab. Der Knabe hatte nun schon fast das ganze Blechgeschirr blank geputzt und wurde jetzt so müde, dass er am Tisch einschlief. Die Fackeln waren bereits weit heruntergebrannt. Es war fast dunkel in der Höhle.

„Peterle, Peterle! Aufwachen, mein Junge“, hörte er in der Ferne rufen. War das nicht seine Mutter?
‚Das kann gar nicht sein. Ich bin doch hier in Beelzemertels Höhle‘, dachte Peterle verwundert. Aber nun wurde er so heftig geschüttelt, dass er erwachte und sich den Schlaf aus den Augen rieb. Er konnte gar nicht glauben, was er da sah. Seinen Vater, der ein besorgtes Gesicht machte, die liebe Mutter und die Oma, die sich verstohlen eine Träne aus den Augen wischte. Der Vater hob ihn hoch und zog ihn in seine Arme. „Mein lieber Junge, wie schön, dass wir dich endlich gefunden haben“, sagte er erleichtert. „Was machst du denn für Sachen? Das war kein schöner Streich, den du uns da gespielt hast“, meinte er und drückte Peterle liebevoll an sich. „Stundenlang haben wir nach dir gesucht.“

„Wieso Stunden?“, rief Peter ganz erstaunt. „Ich war doch tagelang fort!“
„Nein, nein, mein Peterle, nur ein paar Stunden, mein Bub“, antwortete der Vater. Mutter und Oma pflichteten ihm bei. Und alle waren froh, dass sie ihren Jungen endlich gefunden hatten.

Nun überlegte Peterle: ,Bin ich denn wirklich beim Beelzemertel in der Höhle gewesen? Er hat mich doch mitgenommen, oder etwa nicht?‘ Der Junge wusste gar nicht, was er von der ganzen Sache halten sollte, aber der Schreck saß ihm noch heftig in den Knochen. Er nahm sich vor, dass er von jetzt an immer lieb und artig sein wollte.

Peterle erzählte auch seinen Eltern vom Beelzemertel, aber sie taten es als Traum ab. War es wirklich nur ein Traum? Aber wie kam dann der kleine Blechnapf in seine Hosentasche? Der Junge wusste nun ganz genau, dass es kein Traum gewesen sein konnte, doch das behielt er lieber für sich.

Die Eltern wunderten sich noch lange über ihr neues Peterle, das auf einmal so lieb und nett geworden war, und es wurde das schönste Weihnachtsfest, das sie je gefeiert hatten. Alle standen um den herrlich geschmückten Weihnachtsbaum herum und sangen Weihnachtslieder. Peterle, der seinen Blick durch die Stube zum Fenster gleiten ließ, erschrak ganz kurz. War da nicht der Beelzemertel gewesen? Hatte er nicht seinen zotteligen Bart gesehen? Schnell ergriff er die Hand seiner Mutter und schaute nicht mehr zum Fenster hinüber.

Eine Zeitlang schämte sich Peterle noch wegen seiner bösen Streiche, aber das verging nach und nach. Er würde seinen Kindern einmal das Erlebnis erzählen, damit es ihnen nicht genauso ergehen würde wie ihm, und er wünschte sich, dass auch kein anderes Kind so etwas erleben müsse, denn es könnte ja sein, dass es dann nicht so gut ausgehen würde. Er behielt den Blechnapf, so lange er lebte und gab seinen Eltern nie wieder Anlass zu Klagen.
Den Beelzemertel hat er nie wieder gesehen.
..............................................................................................................................................Ich hoffe, die Weihnachtsgeschichte hat euch gefallen und wenn ihr möchtet/darf setze ich mehr Beelzemertelgeschichten hier rein. Ja, der Beelzemertel ist ein rauer Geselle und etwas tolpatschig, aber wenn es darauf ankommt, kommt seine liebenswerte Seite in ihm hervor :-)
Eure Uschi Hahn
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2 Kommentare
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Gitta Leifke aus Lichtenberg | 02.12.2016 | 15:02  
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Uschi Hahn aus Haselhorst | 02.12.2016 | 17:53  
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