Sporthalle bleibt Flüchtlingsquartier: Widerstand und weiterführende Pläne

Der "Birkenhof" wird bald zum Notquartier. Umbauten sind aber bisher noch nicht zu bemerken. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Schmidt-Knobelsdorff-Schule |

Siemensstadt. Die Sporthalle der Knobelsdorff-Schule bleibt Notquartier. Das OSZ hat sich damit zwar so gut es geht arrangiert. Eine Dauerbelegung aber will die Schule nicht. Doch es kommen weitere Flüchtlinge nach Spandau.

Der Knobelsdorff-Schule brachte Dieter Glietsch keine Neuigkeiten mit. Die Sporthalle auf dem Gelände des Oberstufenzentrums (OSZ) Bautechnik an der Nonnendammallee 140 bleibt für unbestimmte Zeit Notquartier für rund 200 Flüchtlinge. Daran führe kein Weg vorbei, sagte der Berliner Flüchtlingsbeauftragte kürzlich bei einem Infoabend in der Mensa der Schule. Denn jeden Tag kommen 200 neue Flüchtlinge nach Berlin, mindestens. Und die müssen untergebracht werden. „Darum gibt es kein Zeitfenster, wann wir diese oder andere Sporthallen frei ziehen können“, so Glietsch.

Für den stellvertretenden Schulleiter Ulrich Warlo war das nur ein schwacher Trost. Zwar sei es bisher gut gelungen, den Sportunterricht durch Alternativen abzudecken und den Unterrichtsausfall auch dank kreativer Sportlehrer zu minimieren, sagte Warlo. Doch ein Dauerzustand sei das bei 1800 Schülern nicht. „Ich kann nicht sagen, wie lange die Motivation der Schüler und Lehrer noch anhält.“ Von der Belegung der 1200 Quadratmeter großen Schulsporthalle ist auch der Badminton-Club (BC) Spandau betroffen. Denn der Sportverein nutzte sie als Trainingshalle. Die Spieler mussten in eine Halle am Goldbeckweg ausweichen, können dort aber nur 25 Prozent ihrer Trainingszeit abdecken.

Mit der Info, dass die OSZ-Halle belegt bleibt, erteilte Dieter Glietsch auch der Forderung im Bezirk eine klare Absage, die Flüchtlinge doch in der Eventarena an der Paulsternstraße unterzubringen. Das hatten vor allem CDU-Politiker gefordert. Denn mit den drei Großunterkünften an der Motardstraße, am Rohrdamm und der Eventhalle, in die im Februar 650 Flüchtlinge einziehen sollen, ist der Ortsteil Siemensstadt bereits stark belastet. „Die Grundschulen haben derzeit keine Kapazitäten mehr und die ambulante ärztliche Versorgung im Stadtteil sehe ich akut gefährdet“, sorgt sich etwa der Siemensstädter CDU-Abgeordnete Matthias Brauner.

Zudem sollen in Spandau weitere Standorte zeitnah belegt werden: Eine Traglufthalle in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Wilhelmstadt mit 600 und das Hotel „Holiday Inn“ am Rohrdamm in Siemensstadt mit rund 400 Menschen. Die Notunterkunft an der Mertensstraße in Hakenfelde wird um 500 auf 1500 Plätze aufgestockt. Neuestes Notquartier für 400 Flüchtlinge soll das frühere Seniorenheim „Birkenhof“ an der Spandauer Straße 22 in Staaken werden. In der Summe versorgt Spandau damit bald 7400 Flüchtlinge. Auf der internen Liste des Landeskoordinierungstabs steht außerdem immer noch die Turnhalle der Heinrich-Böll-Oberschule. „Falls die Plätze knapp werden, droht den Hallen die Sicherstellung und Belegung“, so Bürgermeister Helmut Kleebank. Darüber hinaus seien weitere Standorte für Leichtbauhallen, Container oder Traglufthallen im Gespräch. uk
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Emilio Paolini aus Wilhelmstadt | 28.01.2016 | 11:20  
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