Künstler regen zur Diskussion über die Großsiedlung an

Roland Boden entwirft in seiner Arbeit "New Hell City" das Szenario eines Tagebaus in der Großsiedlung Hellersdorf. (Foto: Boden)

Hellersdorf. In einem Gewerberaum nahe dem U-Bahnhof Kaulsdorf befindet sich seit November vergangenen Jahres die Galerie "Station urbaner Kulturen". Seit Dezember zeigen hier vier Künstler und Künstlergruppen unter dem Titel "Was ist draußen?" ihre Werke.

Die Künstler greifen auf unterschiedliche Weise Probleme der sozialen Entwicklung in den Stadtteilen Kaulsdorf-Nord und Hellersdorf auf und stellen diese in künstlerischer Form dar. Am meisten provozieren dürfte den Betrachter die Arbeit "New Hell City_Smart Mining für Wohlstand und Arbeit" von Roland Boden. Der Künstler entwirft ein verstörendes Szenario: In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts findet ein Heimatforscher in Hellersdorf Hinweise auf reichhaltige Vorkommen von Kupfer und anderen Metallen. Nach der Jahrtausendwende tauchen die Ergebnisse der Recherchen wieder auf und werden ausgewertet. Ein internationaler Großkonzern erwirbt die Schürfrechte und beginnt mit dem Abbau in der Großsiedlung.

Das im Internet dargestellte und in einer kleinen Broschüre im Stadtteil verbreitete Szenario spielt mit den Mechanismen der Marktwirtschaft und deren möglichen Folgen für die Menschen. Müssen die Mieter zwischen Abraumhalden leben? Verlieren sie vielleicht sogar ihre Wohnungen?

Mit anderen Aspekten des Lebens in den Stadtteilen jenseits der Berliner City beschäftigt sich Andreas Maria Fohr. Sie zeigt in einem Kurzfilm in Kamerafahrten eingearbeitete Bildmontagen. Ulrike Gärtner und Carsten Ludwig versuchen in einer Video- und Fotodokumentation zu umreißen, was zum Beispiel von der Utopie in der DDR von der sozialen Gleichheit aller Menschen übrig blieb. Die Künstler-Arbeitsgemeinschaft "Hellersdorfer Illustrierte" stellt im Format von Wandzeitungen die Ergebnisse von Gesprächen mit Bewohnern des Stadtteils und Mitarbeitern von Einrichtungen vor.

"Berlin ist in einem Umbruch und wir sehen das an steigenden Mieten, Verdrängungsprozessen von Mietern von der Innenstadt in die Außenbezirke", sagt Adam Page, einer der Organisatoren des Kunstprojektes "Was ist draußen?". Die Künstler wollen die Bewohner des Stadtteils auf ihre Weise mit diesen Prozessen konfrontieren.

Die Galerie "Station urbaner Kulturen" befindet sich seit November vergangenen Jahres in einem früheren Gewerberaum am Cecilienplatz 5. Finanziert wird der Betrieb von der Senatskulturverwaltung. Die Galerie ist wieder ab Donnerstag, 15. Januar, geöffnet. Die aktuelle Ausstellung ist dann bis Sonnabend, 14. Februar, Do bis Sa von 15 bis 19 Uhr zu sehen.

Mehr Informationen zur Galerie und zur Ausstellung unter www.kunst-im-untergrund.de

Harald Ritter / hari
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