Von Flucht und Freundschaft: Ausstellung mit Foto-Comics in Konradshöhe

Homayu, Asadullah und Omi aus Afghanistan und die Sprachmittlerin Fatima Saleh erstellen zusammen den Comic "From Kabul to Berlin – Different people, One Way". (Foto: Eva Sperschneider)
 
Vier Jugendliche aus Somalia zeichnen das Storyboard für ihre Bildgeschichte "The Three Thieves". (Foto: Eva Sperschneider)
Berlin: ver.di Jugendbildungsstätte Konradshöhe |

Konradshöhe. Es geht natürlich um die Flucht – und ums Ankommen im fremden Land. Aber auch die Liebe, Freundschaften und Zukunftsträume haben junge Flüchtlinge aus der Stadt in ihren Foto-Comics thematisiert. Die sind in der ver.di Jugendbildungsstätte Konradshöhe und im Internet zu bewundern.

Lucia, Ronja und Sina sind beste Freundinnen, so eng, dass nichts und niemand dazwischen passt. Schon gar keine Fatima aus Syrien, die ihnen eines Tages als neue Mitschülerin vor die Nase gesetzt wird – und um die sie sich laut Ansage der Lehrerin auch noch kümmern sollen. Kommt gar nicht in die Tüte, denken sich die Mädchen und schneiden die Neue. Die hockt allein und unglücklich im Klassenzimmer … bis sich der Spieß irgendwann umdreht. Plötzlich zählt Fatima zur Dreier-Clique, Ronja hingegen muss feststellen, wie mies sich das anfühlt, nicht willkommen zu sein. Am Ende wendet sich aber alles zum Guten. Vier Freundinnen winken vom letzten Foto. „Erst Feind, dann Freund“ haben die Mädchen ihre Foto-Comic-Geschichte genannt, untertitelt mit den Worten: „inspiriert von einer wahren Begebenheit“.

Das Büchlein ist eines von acht Ergebnissen des IMAGE-Projektes, das vergangenen Sommer in der ver.di Jugendbildungsstätte (jbs) Berlin-Konradshöhe in der Stößerstraße lief. Im Gemeinschaftsprojekt mit der Jugendförderung des DGB, der AWO Berlin-Mitte und der Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrantinnen haben 25 Jugendliche aus 15 Ländern Foto-Comics geschaffen – zu Themen, die sie bewegen. Zu sehen sind die Arbeiten noch bis Ende Februar in der jbs.

Jeweils fünf Tage lang erlernten die jungen Flüchtlinge zunächst die Grundlagen der Fotografie, dann entwickelten sie ihre eigenen Bildgeschichten. In kleinen Gruppen zeichneten sie ein Storyboard, stellten Situationen nach, schossen dabei Fotos und bastelten am Computer schließlich die Comics zusammen. Dabei verbesserten sie täglich ihre Fähigkeiten am Computer, die Deutschkenntnisse profitierten obendrein. Denn das ist nicht zuletzt das Ziel des Comic-Workshops. „Unser Bildungsangebot richtet sich an alle Berliner Jugendlichen“, sagt Eva Sperschneider, die das IMAGE-Projekt betreut und begleitet hat. „Dazu zählen eben auch die neu angekommenen Mädchen und Jungen. Als Gewerkschaftseinrichtung ist uns wichtig, ihnen Zugang zu Bildungsprojekten zu ermöglichen und uns dafür einzusetzen, dass ihre Stimmen und Perspektiven Gehör finden. Die Jugendlichen können sich hier abseits vom Heimalltag austauschen, neue Kenntnisse erwerben und ihre Erfahrungen künstlerisch ausdrücken.“

Weil es mit der deutschen Sprache so kurz nach der Ankunft aber noch etwas haperte, haben Homayu, Omi und Asadullah aus Afghanistan ihre Geschichte auf Englisch erzählt. Sie zeichnet ihre beschwerliche, oft lebensgefährliche Reise von Kabul nach Berlin nach. Die drei jungen Männer fügten Kriegsbilder aus dem Internet mit nachgestellten Fotografien und ihren Erinnerungen zusammen. Obwohl das Resultat nicht komplett autobiografisch ist, vermittelt es einen Eindruck dessen, was die Jugendlichen durchgemacht haben. Um in Berlin anzukommen – der „City of Peace and Love“, wie sie die Hauptstadt im Comic nennen.

Englische Sprechblasen auch im Heft von Mohamed, Soleimann und Mogtar aus Somalia: „The Three Thieves“ (Die drei Diebe) heißt ihr Bilderbuch, das eine Legende aus ihrer Heimat nacherzählt. Es geht um Hunger, Habgier und den Lohn der Ehrlichkeit.

Eine Auswahl der entstandenen Comics ist im Internet zu sehen: auf www.verdi-jbs.de unter dem Reiter Bildung. Die ver.di Jugendbildungsstätte in der Stößerstraße 18 zeigt alle Originale noch bis Ende Februar, werktags von 9 bis 16 Uhr. Ausnahme: Vom 18. bis 25. Januar werden die Arbeiten im Rahmen des „denk!mal“-Jugendforums im Berliner Abgeordnetenhaus präsentiert. bm
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