Wo Flüchtlinge wohnen könnten: Karlshorster Gaswerksiedlung und "Berlinovo"-Immobilien im Gespräch

Die Gaswerksiedlung war noch vor wenigen Jahren Wohnort. Sie könnte für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Foto: Wrobel (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Mit der kalten Jahreszeit verschärft sich die Situation der Flüchtlinge, die jeden Tag in Berlin ankommen. Dabei gebe es auch in Lichtenberg noch Unterbringungsmöglichkeiten, meinen die Bezirksverordneten der Linken.

Recht oft passiert es, dass das Landesamt für Soziales (Lageso) Flüchtlinge von einem Tag auf den anderen in Gebäude einquartiert werden, ohne die Anwohner rechtzeitig zu informieren. Gerüchte machen die Runde, etwa in der Volkradstraße. Sollen dort – an der Balatonstraße, wo gerade ein großes Gebäude umgebaut wird – Asylsuchende einziehen? Nein, heißt es im Bezirksamt, hier entstünden Wohnungen für Studenten.

Der für Immobilien zuständige Stadtrat Andreas Prüfer (Die Linke) hat ein anderes Objekt für Flüchtlinge im Auge: "Die Gaswerksiedlung haben wir den Landesbehörden schon im November 2014 vorgeschlagen." Die Siedlung an der Köpenicker Chaussee 24–31 mit ihren rund 105 leer stehenden Wohnungen gehört dem Energiekonzern Vattenfall, der hier auch ein Kundenzentrum betreibt. Das Unternehmen will die Siedlung zu einem Verwaltungsstandort auszubauen. Doch bis heute tut sich dort nichts.

"Die Nutzung für Flüchtlinge bietet sich an, da es gerade in Karlshorst eine Willkommenskultur gibt, die eine Integration der Geflüchteten fördert", glauben auch die Mitglieder des bezirklichen Integrationsausschusses. Sie haben sich vor einigen Monaten mit der Bitte an Vattenfall gerichtet, die Häuser zur Verfügung zu stellen. "Noch ist Vattenfall mit den Landesbehörden im Gespräch", so Andreas Prüfer.

Die Linke-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung hat noch weiteren Leerstand ausfindig gemacht, der aus ihrer Sicht für die Unterbringung von Flüchtlingen und auch anderen obdachlosen Menschen genutzt werden könnte. "Die ‚Berlinovo Immobilien Gesellschaft‘ befindet sich zum größten Teil im Eigentum des Landes Berlin und sollte deshalb ihre soziale Verantwortung wahrnehmen", sagt Daniel Tietze, Chef der Linke-Fraktion. In einem Antrag fordert Die Linke vom Bezirksamt, den Senat zum Handeln zu bewegen.

Denn wie aus einer Anfrage des Abgeordneten Fabio Reinhardt (Piraten) hervorgeht, stehen allein in Lichtenberg mehr als 300 von den 2181 Mietwohnungen der Berlinovo leer – zum Beispiel in den Apartmenthäusern in der Siegfriedstraße, der Rhinstraße und der Paul-Zobel-Straße sowie in der Ontarioseestraße und anderen Straßen in Friedrichsfelde. Insgesamt waren im Februar dieses Jahren berlinweit mehr als 920 Wohnungen der insgesamt 7049 Berlinovo-Wohnungen nicht vermietet.

Das Unternehmen ist ein Dienstleister und verwaltet das Immobilienerbe der einstigen landeseigenen Bankgesellschaft Berlin, die im Jahr 2001 in den Bankenskandal verwickelt war. Momentan erarbeitet die Berlinovo ein Konzept für studentisches Wohnen. Inwieweit die leer stehenden Wohnungen in der Zwischenzeit für Flüchtlingsunterbringungen bereit gestellt werden könnten. ließ das Unternehmen bislang unbeantwortet.

Das Land Berlin setzt derweil auf modularen Wohnungsbau. Laut Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) werde mit rund 50 000 Flüchtlingen gerechnet, für die 45 500 Plätze geschaffen werden müssten. Derzeit stehen Unterkünfte mit 21 500 Plätzen zur Verfügung. Mindestens 24 000 Plätze müssen also noch geschaffen werden. KW
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