Auf den Ton kommt es an: Die Wohnung farblich gestalten

Farben wirken sich auf die Stimmung des Betrachters aus: Gelb stimmt fröhlich, umgeben von Grün fühlen Menschen sich ausgeglichener. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert)
 
Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich: Wer seine eigenen vier Wände farblich gestalten will, sollte sich vorher ein paar Gedanken machen. (Foto: Kai Remmers)

Rot ist leidenschaftlich, blau beruhigend, gelb stimmt fröhlich: Farben haben eine Wirkung. Das muss man beachten, wenn man eine Wand streicht.

"Wir können uns der Farbigkeit nicht entziehen, egal ob es Grau-, Blau- oder Orange-Töne sind", sagt Farbforscher Axel Venn. "Optische Signale haben auf unsere Empfindungen großen Einfluss. Die einfachste Empfindung ist "Bleibe ich hier, oder fliehe ich lieber?"."

Auf Farbkarten im Baumarkt stehen oft mehr als 1000 Farbtöne zur Auswahl. Experten raten, vorher ein eigenes Farbkonzept zu entwickeln. Bücher und Zeitschriften können inspirieren. Oder man pinselt verschiedene Farbkombinationen auf ein Blatt Papier. So lässt sich herausfinden, ob man lieber Farbharmonien oder Kontraste schätzt, und bei welchen Tönen man sich wohlfühlt.

Auch Farben und Muster von Sofas, Sesseln und Teppichen sollten beim Konzept berücksichtigt werden. "Wenn ich zum Beispiel einen Holzboden und eine orangefarbene Couch habe, würde ich versuchen, etwas Abwechslung hineinzubringen und einen kühleren Farbton für die Wand wählen", sagt Innenarchitektin Simone Ferrari. Wer sich nicht sicher ist, ob die gewählten Farben in der Wohnung auch wirklich gut aussehen, kann sich mit einem einfachen Trick behelfen: "Ich verwende ein größeres preiswertes Stück Stoff, um die Wirkung von Farbe im Raum zu testen", empfiehlt Farbpsychologe Uwe Linke.

Für Innenarchitektin Ferrari ist die gewünschte Atmosphäre entscheidend für die Farbwahl: "Soll es eine leichte oder lieber eine warme, gemütliche Atmosphäre sein? Warme Farben sind eher rot-orange, gelb-orange, braune oder beige-Töne. Blautöne wirken dagegen kühler. Wenn man eine leichte Atmosphäre will, hilft ein aufgehellter, pastelliger Ton."

Richtig kombinieren

Um sich wahrhaft wohlzufühlen, braucht es allerdings mehr als eine Farbe in einem Zimmer. "Bei monochromen Räumen, wo alles beispielsweise weiß und glatt ist, werden die Sinneswahrnehmungen schnell unterfordert, die Räume wirken anregungsarm und können Stress und Nervosität auslösen", sagt Innenarchitektin Ferrari. Deshalb sollte ein Zimmer eher einer Landschaft gleichen, rät Farbforscher Venn: "Mal schauen wir auf die grünen Felder, und mal schauen wir in den Himmel oder auf ein Blumenbeet. Ein Raum muss erholsame und anregende Elemente in sich tragen." Anregend seien etwa pastellige Blumentöne in Rosé oder Gelb-Orange, aber auch gedeckte Orange- oder Lehmfarben, ebenso gebrochene Blaus. "Diese kräftigen Pastelltöne können dann mit Sorbet-Farben kombiniert werden, die beruhigende Charakteristiken zeigen und heller als die Pastellfarben sind."

Dabei gestaltet man seine Räume idealerweise nicht zu bunt. "Man soll sich ein Farbkonzept aussuchen mit drei Haupttönen und zwei oder drei Nebentönen, die man immer wieder kombinieren kann", rät Farbforscher Venn. Kraftvolle, farbintensive Nuancen sind für den gesamten Raum weniger geeignet: "In Räumen, in denen man sich länger aufhält, etwa im Esszimmer, würde ich nicht zu stark farbig werden", sagt die Innenarchitektin Ferrari. Starke Farben könnten schnell bedrängend wirken. Wer einmal richtig kräftige Farben einsetzen möchte, sollte sich auf eine Akzentwand beschränken, rät die Expertin. mag

Isabelle Wolf: "Was Farben sagen", Goldmann Verlag, ISBN 978-3442172313; 8,99 Euro.
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