Hilfen für Betroffene

Experten schätzen, dass jeder siebte Deutsche gefährdet ist, eine krankhafte Arbeitsfixierung zu entwickeln. (Foto: Andrea Warnecke)

Petra Mintzek (Name geändert) war Leistung schon immer wichtig. "Bereits in der Schule hatte ich trotz guter Noten das Gefühl: Du musst noch mehr machen." Als sie nach dem Abitur eine Lehre zur Bankkauffrau beginnt, verstärkt sich dieser Druck.

Obwohl ihre Chefs sie loben, ist sie nie mit sich zufrieden und leistet unzählige unbezahlte Überstunden ab. Selbst wenn sie spätabends nach Hause kommt, denkt sie vor allem an den Job. Heute weiß die 42-jährige Mainzerin, die mittlerweile als Lehrerin tätig ist: Sie ist arbeitssüchtig, ein Workaholic.

Petra Mintzek ist mit diesem Problem nicht alleine: Jeder siebte Deutsche sei gefährdet, eine krankhafte Arbeitsfixierung zu entwickeln, schätzt der Bonner Arbeitspsychologe Stefan Poppelreuter. Rund 400 000 Menschen seien akut arbeitssüchtig. Die Existenz der Betroffenen bestehe nur noch aus der Arbeit und minimalen Erholungsphasen für Schlaf, Nahrungsaufnahme und Hygiene.

Die Gedanken an den Job lassen die Betroffenen häufig in der Freizeit nicht mehr los. Kann dann einmal partout nicht gearbeitet werden, zum Beispiel weil Feiertage anstehen, fühlen sich Workaholics nicht selten unwohl. "Sie brauchen permanent das Gefühl, produktiv zu sein", erläutert Rüdiger Trimpop, Professor für Betriebspsychologie an der Universität Jena.

Die ständige Arbeitsbelastung setzt dem Körper dabei gehörig zu. Die Folgen seien Kopfschmerzen, Magenreizungen, Schwindel und Schlafprobleme, erklärt Marianne Resch, Professorin für Arbeitspsychologie an der Universität Flensburg.

Um mehr innere Distanz zum Job zu schaffen, nehmen kranke Arbeitnehmer am besten erst einmal einen längeren Urlaub, rät Psychologin Resch. Mit aufgeladenen Batterien müssten Workaholics dann lernen, private Termine genauso wichtig zu nehmen wie berufliche, sagt Poppelreuter. Verabredungen mit Freunden oder Familie sollten nur noch im absoluten Ausnahmefall abgesagt werden. In vielen Städten in Deutschland gibt es Stammtische der "Anonymen Arbeitssüchtigen" (AAS). Hier können sich Betroffene austauschen.


dpa-Magazin / mag
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