Schluss mit Karriere: Downshifter schalten im Job einen Gang runter

Macht mein Job noch Sinn? Wie viele Downshifter trieb Tanja Keßler diese Frage um. Sie entschied sich schließlich, ihren Job in der Werbung an den Nagel zu hängen – und sich mit einem Zentrum für naturnahes Leben in Otzberg bei Darmstadt selbstständig zu machen. (Foto: www.heimatperlen.com/Ellen Jöckel)

Tanja Keßler hat einen Schritt gemacht, der für viele Karrieremenschen undenkbar ist. Sie ist auf der Karriereleiter freiwillig einen Schritt zurück gegangen. Sie hatte einen sicheren Job bei einer Werbeagentur. Doch der reichte ihr irgendwann nicht mehr. Sie stieg aus und machte sich mit einem Zentrum für naturnahes Leben selbstständig.

Der Glücksgarten – so heißt das Zentrum für naturnahes Leben. Kessler ist dort als Naturpädagogin tätig. Das sind Menschen, die anderen die Natur nahebringen. Sie bietet im Glücksgarten Kochkurse an sowie Einführungen in die Herstellung von Käse, Brot und Naturkosmetik. "Weniger arbeite ich eigentlich nicht", erzählt sie. Aber sie sei zufriedener.

Downshifter sind Menschen, die freiwillig einen Schritt auf der Karriereleiter zurückgehen. Wörtlich übersetzt bedeutet es etwa: einen Gang zurückschalten. Sie geben eine Führungsposition auf, um mehr Zeit für sich zu haben, wechseln auf Teilzeit oder hören ganz auf. Das Phänomen ist nicht neu. "Neu ist, dass die Frage nach Downshifting immer früher gestellt wird", sagt Wiebke Sponagel. Sie ist Coach in Frankfurt am Main und berät Berufstätige, die herunterschalten wollen. Vor zehn Jahren kamen vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren zu ihr. Mittlerweile auch Berufsanfänger.

Das bestätigt Coach Arnd Corts. Auch er berät Menschen, die im Job einen Gang herunterschalten wollen. "Heute habe ich die ersten, die downshiften wollen, bevor sie Vollgas gegeben haben", erzählt er. Den jungen Menschen gehe es weniger um Anerkennung im Beruf oder um Prestige durch ein hohes Gehalt. Sie arbeiteten lieber weniger und gewinnen an frei verfügbarer Zeit.

Wer downshiften will, sollte sich den Schritt gut überlegen, sagt Coach Sponagel. Keine gute Idee ist, so eine Entscheidung zu treffen, wenn Mitarbeiter bei der Arbeit gerade stark überlastet sind. Mancher neigt dann dazu, alles hinwerfen zu wollen. Möchte jemand diesen Schritt gehen, sollte er im Gegenteil erst einmal zwei oder drei Wochen freinehmen und versuchen, zur Ruhe zu kommen. "Menschen unter Stress treffen falsche Entscheidungen."

Dann geht es darum, einige Fragen zu klären. Wie viel möchte ich bei der Arbeit zurückfahren? Habe ich ausreichend finanzielle Ressourcen, um das zu stemmen? Wie werden der Partner und die Freunde darauf reagieren? Dieses zu klären, brauche Zeit, bestätigt Coach Corts. Am Ende ist aber – im besten Fall – sehr viel zu gewinnen.
dpa-Magazin / mag
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