Staatssekretär André Schmitz will die Atelierhäuser erhalten

Mitte. Wenige Wochen vor dem geplanten Abriss der 62 Jahre alten Atelierhäuser im Monbijoupark zeigt Kulturstaatssekretär André Schmitz Interesse, die maroden Künstlerateliers zu erhalten.

"Wir wollen das prüfen" oder "der Atelierstandort soll erhalten bleiben, wenn es möglich ist". Sehr ernst scheint dem Staatssekretär die Sache nicht zu sein, wenn sein Sprecher Günter Kolodziej so antwortet. Viel Zeit bleibt nicht, denn der Bezirk bestellt gerade die Abrissbagger. Im "Juni oder Juli" kommen die Häuser weg, so Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Das hat der Bezirk nach dem von der BVV aufgehobenen Abrissmoratorium Anfang des Jahres beschlossen. Die Häuser werden abgeräumt, um den Park zu erweitern. So stehts im vor Jahren beschlossenen Bebauungsplan. Wegen der Diskussionen, ob die Fotogalerie C/O Berlin die Atelierhäuser nutzen kann, hatte die BVV erst einmal einen Abrissstopp beschlossen.

Aus den C/O-Plänen wurde aus Baurechtsgründen nichts; jetzt will der Bezirk die Ruinen so schnell wie möglich loswerden. Die Fenster sind mit Spanplatten verrammelt, die Scheiben eingeschlagen. Von den Wänden bröckelt der Putz. Drinnen soll es total übel aussehen. Der Bezirk muss einen Wachschutz bezahlen. Insgesamt über 70 000 Euro im Jahr kostet der Unterhalt.

Wegen hoher Schadstoffbelastung soll der Abriss 600 000 Euro kosten. Schmitz hat das als "kulturpolitischen Schildbürgerstreich" bezeichnet. "Das Geld könnte man für die Sanierung nehmen", sagt Günter Kolodziej. Zur Frage, ob der Senat bereit wäre, die Häuser zu übernehmen, wie es der Bezirk im Falle eines Erhalts als Atelierstandort fordert, äußerte er sich nicht. Staatssekretär Schmitz wolle sich zuerst die Atelierhäuser angucken, so Kolodziej. Ein für Anfang April angefragter Termin zur "Begehung" wurde laut Spallek von der Senatskulturverwaltung per E-Mail vorerst abgesagt.

Spallek hatte den Staatssekretär darauf hingewiesen, dass das Betreten auf eigene Gefahr erfolge und wegen Schadstoffbelastung Schutzbekleidung und Atemmaske getragen werden müssen. Wegen fehlender Ausrüstung sei der Termin dann verschoben worden.


Dirk Jericho / DJ
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