Themenjahr schildert Folgen von Hitlers Machtergreifung

Am Brandenburger Tor dokumentieren Gedenksäulen die Verluste im politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Leben nach 1933. (Foto: Caspar)

Berlin. In Berlin hat das Themenjahr "Zerstörte Vielfalt" begonnen. Mehr als fünfhundert Veranstaltungen an einhundert Orten erinnern an die Zeit zwischen der Errichtung der NS-Diktatur vor 80 Jahren und dem Novemberpogrom vor 75 Jahren.

Die in der Stadt aufgestellte Stelen schildern, wie vor 80 Jahren aus dem "roten" Berlin der Weimarer Republik ein braunes Berlin gemacht und wie der Ruf der Stadt als Metropole des Fortschritts und der Moderne von den Nazis systematisch ruiniert wurde. In der bis zum 10. November im Pei-Bau laufenden Dokumentation "Zerstörte Vielfalt" will die Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM) nach den Worten ihres Präsidenten Alexander Koch zeigen, was es für unzählige Menschen bedeutete, aus rassistischen, politischen und ideologischen Gründen verfolgt und zum Verlassen ihrer Heimat genötigt zu werden und warum sich ein großer Teil des deutschen Volkes auf die Seite der braunen Verbrecher schlug.

"Unterstützt durch Berliner Museen, Gedenkstätten und Vereine schildern wir, mit welcher Brachialgewalt nach dem 30. Januar 1933 Alltag und Verwaltung, Wirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Medien und Bildungswesen, Kultur, Kunst und Wissenschaft sowie die Freizeitgestaltung, Sport und Vereine, kurzum alle öffentlichen und privaten Lebensbereiche im Sinne der Nationalsozialisten gleichgeschaltet wurden, wie man damals sagte. Wir zeigen aber auch, wo sich Widerstand formierte und welche hohen Opfer diejenigen erbringen mussten, die sich aus ethischen, politischen und religiösen Gründen nicht dem neuen Regime unterwarfen", erklärt Koch.

Für Kulturstaatssekretär André Schmitz bietet das jetzt begonnene Gedenkjahr die einzigartige Möglichkeit, Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus und den von den Nazis angezettelten Zweiten Weltkrieg zu verbreiten. An vielen Stellen in der Stadt werde gezeigt, wie groß die Verluste waren, als Wissenschaftler, Künstler, Gewerbetreibende und ganz einfache Leute zu Staats- und Volksfeinden erklärt und praktisch von einem zum anderen Tag ihrer Lebensgrundlagen und Arbeit beraubt wurden.

Die von der Stiftung Klassenlotterie Berlin geförderte Ausstellung "Zerstörte Vielfalt" im Pei-Bau des DHM ist täglich bei freiem Eintritt von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kostenfreie Hörführungen werden in deutscher und englischer Sprache angeboten. Außerdem ist eine kostenlose Info-Broschüre erschienen. Es ist auch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Buchvorstellungen, Podiumsdiskussionen, Zeitzeugengesprächen, Weiterbildung für Lehrer und Filmvorführungen geplant.

Programminformationen gibt es unter www.zeughauskino.de. Zum Themenjahr 2013 erschien im Siedler Verlag das Buch "Berlin 1933-1945. Stadt und Gesellschaft im Nationalsozialismus".

Helmut Caspar / HC
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