Expertenbericht nennt notwendige Maßnahmen für ein "Green Moabit"

Moabit. Klimaschutz in einem innerstädtischen Gewerbe- und Industriegebiet - geht das? Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und das Bezirksamt Mitte meinen, ja, und haben ein Stadtteilentwicklungskonzept für Moabit-West in Auftrag gegeben.

"Green Moabit" heißt das aus Mitteln des Stadtumbau West-Förderprogramms finanzierte Projekt. Die Untersuchung zu den Bereichen Energie, Wasser, Abfall, Verkehr, öffentliche und private Flächen, Umwelt, Bildung und Soziales führten das Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften, Sustainum, und seine Partner durch. Green Moabit ging 2012 an den Start. Neuland wurde betreten. Denn zum ersten Mal haben Fachleute in einem bestehenden industriell geprägten Gebiet die Möglichkeiten für Klimaschutz untersucht.

Die wissenschaftliche Untersuchung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Unternehmern, Grundstückseigentümern und Anwohnern. Aus der Analyse und ihren Ergebnissen wollen Senatsverwaltung und Bezirk ganz konkrete Maßnahmen entwickeln, die vor den Folgen des Klimawandels schützen. Moabit West wird dabei zum Modellgebiet. Nebenbei sollen die Akteure vor Ort weiter vernetzt werden, insbesondere die Unternehmen im Unternehmensnetzwerk Moabit. Das Gewerbe- und Industriegebiet soll unter der Marke "Green Moabit" firmieren.

Es gibt in Berlin derzeit zwar schon annähernd 500 Klimaschutz-Projekte, bei denen unter anderem Solarenergieanlagen, Blockheizkraftwerke oder energetische Gebäudesanierungen den Kohlendioxidausstoß verringern helfen, um die Umwelt zu schonen. Doch bei Politik, Verwaltung und Unternehmen stehe das Thema Klimaschutz noch nicht ganz im Mittelpunkt des Handelns, so die Autoren des Abschlussberichts.

Auch die Unternehmen dächten gerne kurz- und mittelfristig. Die Nebenkosten der Gebäude und Liegenschaften und was man durch Umweltschutzmaßnahmen einsparen könnte, spielten noch keine entscheidende Rolle. Immerhin sei im Verlauf des Projekts eine "steigende Sensibilisierung für Themen, wie man sich auf die Folgen des Klimawandels einstellen kann" erfolgt, so die Fachleute.

Neben einer frühzeitigen und umfassenden Kommunikation zwischen allen Beteiligten haben die Experten noch weitere Empfehlungen ausgesprochen. Es muss ein Konzept für eine "nachhaltige" Nutzung des Regenwassers her. Das Quartier sollte besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Notwendig seien politische Lösungen, damit die Mietpreise mit dem technischen Fortschritt bei Sanierung und Wärmedämmung Schritt halten können und Mieter nicht aus ihrem angestammten Kiez verdrängt werden.

Klimaschutz sei eine Herausforderung und könne von der Verwaltung nicht nebenbei erledigt werden. Im Bezirk müsste die entsprechende Stabsstelle eines Klimabeauftragten eingerichtet werden, der entsprechende Projekte ressortübergreifend initiiert beziehungsweise begleitet. In Lichtenberg, Spandau und Steglitz-Zehlendorf arbeiten Klimabeauftragte bereits erfolgreich. Darüber hinaus sollte es einen (KfW-) Sanierungsmanager geben, der von außen kommt. Es gehe nicht zuletzt darum, notwendige Ko-Finanzierungsmittel zu beschaffen.

Für die Umsetzung aller dieser Vorschläge sind Geld und Personal vonnöten. Daran mangelt es bekanntlich in Berlin, doch vielleicht nicht an Kreativität, Projekte auch unter erschwerten Bedingungen trotzdem zu verwirklichen.


Karen Noetzel / KEN
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