Kinder zimmern Hütten auf dem Tempelhofer Feld

Der elfjährige Jonathan (links) und sein zehnjähriger Freund Felix stocken ihr selbst erbautes Haus gerade auf. (Foto: Sylvia Richter)

Neukölln. Am Eingang Oderstraße auf dem Tempelhofer Feld entsteht derzeit die Hüttenstadt "Gecekondu". Bis Ende Oktober baut dort die Jugendkunstschule Neukölln mit Kindern und Jugendlichen kleine Häuser aus Natur- und Recyclingmaterialien.

Der Begriff "Gecekondu" kommt aus dem Türkischen und bedeutet so viel wie "über Nacht gebaut". Gemeint sind damit informell entstandene Siedlungen mit einfachen selbsterbauten Hütten, wie man sie auch heute noch in der Türkei vorfindet. Nach einem alten Gesetz dürfen diese Häuser, die über Nacht auf öffentlichem Grund erbaut wurden, nicht abgerissen werden. In Anlehnung an diese alte Tradition hat die Jugendkunstschule Neukölln im Frühjahr ein Projekt begonnen: Kinder und Jugendliche erbauen mit Hilfe von Künstlern und Handwerkern des Trägervereins Jugendkunst e. V. ihr eigenes "Gecekondu" am Eingang Oderstraße auf dem Tempelhofer Feld.

Mittwochs bis sonnabends von 16 bis 19 Uhr können junge Erbauer zwischen 8 und 14 Jahren auf der Pionierfläche ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sie nutzen dabei gespendetes Recycling- und Naturmaterial und bedienen sich des Werkzeugs, das ihnen vor Ort zur Verfügung gestellt wird. "Manche nageln einfach drauf los, andere haben schon Pläne im Kopf oder kommen mit fertigen Zeichnungen", erzählt die am Projekt beteiligte Künstlerin Juliane Wedell. Der zehnjährige Felix und der elfjährige Jonathan sind stolz auf ihr Haus mit Hochsitz, an dem sie dreimal wöchentlich bauen. "Jetzt kommt noch eine zweite Etage oben drauf", sagt Felix. An Wochenenden erbauen manchmal sogar ganze Familien eine Hütte mit Möbeln. Hortgruppen und Schulklassen können diesen Abenteuerspielplatz auch vormittags nutzen. "Erzieher und Lehrer kommen gern zu uns. Die Kinder toben sich hier aus und kommen allmählich zur Ruhe", weiß Wedell.

Sonnabends werden oft Workshops angeboten, wie am 29. September von 15 bis 18 Uhr. Thea Lücke von der Recycling-Werkstatt-Berlin stellt mit Besuchern Werkzeuggürtel aus gebrauchten Fahrradschläuchen und Autogurten her.

Bis Ende Oktober wird "Gececondu" weiter erbaut, danach geht es in die Winterpause. Sofern genügend Spendengelder und -material zusammenkommen, geht es im nächsten Frühjahr weiter mit dem Projekt.

Weitere Infos unter www.gecekondu.mobi.

Slyvia Baumeister / syri
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