Sprachtest und -Sprachförderung von Kindern bald verbindlich?

Neukölln. Jedes vierte Neuköllner Kind im Alter von viereinhalb Jahren weist gravierende Sprachmängel auf. Um die Bildungschancen für diese Kinder zu verbessern, fordert der Neuköllner Abgeordnete Joschka Langenbrinck (SPD) verbindlichere Richtlinien für den Besuch von Kitas und Sprachtests.

Wenn ein Kind nach seiner Einschulung nicht versteht, was der Lehrer überhaupt von ihm will, ist das kein geringes Problem. Denn wer den Anschluss schon so früh verpasst, für den ist späteres Versagen oft vorgezeichnet. Gerade in sozialen Brennpunktgebieten, wo besonders viele Zuwanderer mit geringen Deutschkenntnissen leben, spielt die frühzeitige Sprachförderung daher eine große Rolle.

Beispiel High-Deck-Siedlung und Köllnische Heide: Trotz des Rechtsanspruchs hat in diesen beiden Kiezen nicht einmal jedes zweite Kind einen Kita-Platz, wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Joschka Langenbrinck (SPD) zu den Ergebnissen der jüngsten Sprachstands-Tests bei Viereinhalbjährigen hervorgeht.

Den 1053 Kindern im Alter zwischen einem und sechs Jahren stehen lediglich 430 verfügbare Plätze gegenüber. "Das ist ein riesiges Problem", meint Langenbrinck, der seit mehr als zwei Jahren mehr Kitaplätze in sozialen Brennpunkten fordert.

Auch Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) weiß um das Problem der fehlenden Plätze in den beiden Kiezen, kann es aber nicht kurzfristig lösen: "In diesen beiden Quartieren gibt es kaum Möglichkeiten, zusätzliche Kitaplätze zu schaffen. Dort fehlen freie Grundstücke, die auch noch ausreichend groß sind", sagt Liecke, der derzeit mit mehreren freien Trägern im Gespräch ist, die weiter im Norden Neuköllns und am Dammweg neue Kitas eröffnen wollen - falls sie zusätzliche Fördergelder erhalten. Ansonsten, so Liecke, sei der Bezirk mit ausreichenden Kitaplätzen versorgt. Doch sogar dort, wo das Angebot stimmt, gibt es Probleme: "Nicht jedes Kind, das einen Kita-Platz hat, wird regelmäßig von den Eltern in die Kita gebracht", sagt Langenbrinck. "Das ist vor allem bei Kids mit Sprachmängeln fatal. Wir müssen den Kita-Besuch verbindlicher machen, die Sprachförderung in Kitas verbessern und auch die Betreiber stärker in die Pflicht nehmen."

Ein erster Schritt in diese Richtung soll ein Gesetz sein, das im Abgeordnetenhaus voraussichtlich Anfang 2014 verabschiedet wird. Es sieht bis zu 2500 Euro Bußgeld vor - wenn Eltern ihr Kind mit viereinhalb Jahren nicht zum Sprachtest schicken oder - im Falle festgestellter Sprachmängel - nicht zur obligatorischen Sprachförderung in die Kita. Für Langenbrinck reicht das aber längst noch nicht aus. Er setzt sich weiterhin für einen Sprachtest schon im Alter von vier Jahren ein, damit bei eventuellen Defiziten frühzeitig reagiert werden kann.


Sylvia Baumeister / SB
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.