Keine Unterstützung mehr vom Jobcenter, Ehrenamtliche übernehmen

Niederschöneweide. Eigentlich dürfte es die Kleiderstube in der Schnellerstraße 114 seit knapp einem Monat nicht mehr geben. Das Jobcenter hat keine geförderten Stellen mehr bewilligt.

Das trotzdem geöffnet ist, haben die Nutzer - sozial Schwache, Obdachlose und Rentner - Menschen wie Udo Florian (64) zu verdanken. Der frühere Drucker war lange arbeitslos und hat seit fast zehn Jahren als Projektleiter in der Kleiderausgabe gearbeitet. Eigentlich könnte er jetzt in Rente gehen. "Als kurz vor Weihnachten feststand, dass es vom Jobcenter keine geförderten Stellen geben würde, haben wir uns zusammengesetzt. Schnell stand fest, dass wir nicht schließen wollen, zu viele Menschen brauchen unsere Angebote. Außer mir haben sich noch vier langjährige Mitstreiter entschlossen, ehrenamtlich zu arbeiten", erzählt Florian.

Mit dabei ist auch Elke Hinz (67). Sie hat selbst acht Jahre im Rahmen von Arbeitsfördermaßnahmen in der Kleiderstube gearbeitet, ist inzwischen Rentnerin. "Viele meiner Freunde arbeiten noch, zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf. Und hier werde ich gebraucht, freue mich an den dankbaren Blicken unserer Besucher, wenn sie wieder einmal die passende Kleidung gefunden haben", sagt sie.

Der Arbeitslosenverband Deutschland, Landesverband Berlin als langjähriger Träger der Kleiderstube ist weiter mit ihm Boot. Er zahlt die Betriebskosten und versichert die Ehrenamtlichen. Das Ladengeschäft selbst stellt der Vermieter Stadt und Land seit Jahren kostenlos zur Verfügung. Die Kleiderstube war mehrmals in schwierige Situationen geraten. Immer wenn Arbeitsamt oder später das Jobcenter die Fördergrundlagen geändert hatten, wurde es mit den Stellen kompliziert. Bereits mehrmals wurden Zeiten ohne öffentliche Unterstützung mit ehrenamtlicher Arbeit überbrückt. "Bis zum Jahresende wollen wir die Kleiderstube erst einmal betreiben, dann sehen wir weiter", sagt Udo Florian.

Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr, donnerstags bis 17 Uhr, Auskünfte unter 63 22 4118.

Derzeit werden keine Spenden gebraucht. Ab März kann man wieder gute, tragfähige Frühjahrs- und Sommerkleidung in der Schnellerstraße 114 abgeben.


Ralf Drescher / RD
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