Bezirksamt senste die Blütenpracht einfach ab

Niederschönhausen. Ursula Lehrmanns Grundstück grenzt direkt an die Zingerwiesen. Seit Jahrzehnten pflegt und bepflanzt sie einen schmalen Streifen zwischen Uhlandstraße und dem abgrenzenden Biotop.

Jetzt mähte ihr das Straßen- und Grünflächenamt die Blütenpracht ab. Bereits vor einigen Jahren hat es die gelb blühenden Tobinambur, eine Sonnenblumenart, abgemäht. "Dafür wachsen jetzt die Brennnesseln in den Himmel", bedauert Ursula Lehmann. Jetzt haben ihr die Mitarbeiter des Amtes auch noch die Blumen unmittelbar an ihrer Auffahrt abgesenst. Die Blumenliebhaberin ist sauer. "Lavendel, Herbstastern, Lilien, Akelei, Farn - alles weg", sagt sie mit traurig klingender Stimme und fragt: "Warum?"

Außerdem haben die Mitarbeiter auch das Unterholz entlang ihres Gartenzaunes entfernt. "Hier haben Bodenbrüter im Frühjahr ihre Nester gehabt und sich im Winter Igel versteckt - alles weg", empört sie sich. Auf ihre Intervention hin habe man ihr einen Eibenschößling, ein paar trockene Grasbüschel sowie einige Strauchableger vor die Einfahrt gesetzt. "Das sieht alles ziemlich traurig und lieblos aus", klagt sie. Das Amt solle doch angesichts knapper Kassen froh sein, wenn sich Bürger um ihr Wohnumfeld kümmerten. "Statt Blumenecken platt zu machen, sollte man sich lieber um das Unkraut an Straßen und Gehwegen kümmern", fügt sie hinzu.

Auf Nachfrage der Berliner Woche im Bereich Stadtentwicklung des Bezirksamtes Pankow bedauerte Diana Kerait den "Kollateralschaden bei der Biotoppflege". Bei Pflegearbeiten an den Zingerwiesen durch ABM-Kräfte seien die Zugangsbereiche von Müll gereinigt und im Rahmen der Herstellung der Verkehrssicherheit überhängende Sträucher zurückgestutzt worden, um den Durchgang freizuhalten. Die Nutzung der Flächen durch Anwohner seien bisher geduldet worden. Ein Anspruch bestehe jedoch nicht. "Dennoch wäre es sicher wünschenswert gewesen, wenn die Mitarbeiter etwas umsichtiger gearbeitet hätten", so Kerait. Zugleich kritisierte sie das Umweltbewusstsein mancher Anwohner, die am Rand der Biotopfläche säckeweise illegal Müll, Rasenmahd sowie Äste und Zweige entsorgten, die dort regelmäßig, aus Steuermitteln finanziert, entfernt werden müssten.


Michael Kahle / m.k.
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