Ich möchte den Menschen den Himmel öffnen

Pfarrer Steffen Reiche. (Foto: Kahle)

Nikolassee. Am 11. Mai wurde Steffen Reiche in der Evangelischen Kirchgemeinde Nikolassee als neuer Pfarrer eingeführt. Berliner-Woche-Reporter Michael Kahle sprach mit ihm.

Was bewegt einen Theologen, in die Politik zu gehen?


Steffen Reiche: Ich habe nicht akzeptiert, dass die DDR die Freiheitsrechte zurückdrehte. Erst durch die Zwangsvereinigung von KPD und SPD und dem damit verbundenen Verschwinden der SPD war die Gründung der DDR durch die Kommunisten möglich. Deshalb haben wir dem Land, das Millionen Menschen seine Rechte nahm, zum 40. Geburtstag am 7. Oktober 1989 in Schwandte eine neue SPD geschenkt, in der Hoffnung, dass sie sich daran verschluckt.


Sie haben nach der Wende in Brandenburg Karriere in der Politik gemacht. Sie sind dann wieder Pfarrer geworden - warum?


Steffen Reiche: Ich habe meinem Land 20 Jahre als SPD-Politiker gedient. Man muss wissen, wann was notwendig ist, wann es zu Ende ist und das Ende als Chance begreifen. Pfarrer ist eine schöne Herausforderung, die ich gern angenommen habe. Die Kirchenleitung setzte mich dann im August 2012 als Interimspfarrer in meiner neuen Gemeinde ein. Wir passen gut zusammen.


Was fasziniert Sie an Ihrer Gemeinde?


Steffen Reiche: Nikolassee zählt zu den größten evangelischen Kirchgemeinden Berlins. Wir haben über 3500 Gemeindeglieder, etwa 40 Konfirmanden pro Jahr und rund 30 Taufen, darunter auch von zwei bis drei Erwachsenen, und die Zahl der Taufen ist größer als die der Kirchenaustritte.


Was sehen Sie als Ihre vordringliche Aufgabe in der Gemeinde?


Steffen Reiche: Ich möchte den Menschen den Himmel öffnen in schönen und schwierigen Situationen, beginnend mit der Taufe, über die Konfirmation und Trauung, bis hin zum Tod. Ich möchte so von Gott reden, dass die Menschen Vertrauen fassen. Keiner muss seinen Verstand an der Kirchentür abgeben. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Schöpfung und Evolution. Ich bin naturwissenschaftlich gebildet. Ich möchte die Bilder von damals in die Sprache von heute übersetzen. Ich möchte den Menschen die Gelegenheit geben, Gott zu begegnen.


Sind sie jetzt ein glücklicher Mensch?


Steffen Reiche: Ja mit Ausrufezeichen. Ich hatte als Bildungsminister eine gute Zeit. Ich konnte das Großwerden der eigenen Kinder erleben. Und ich bin Teil einer engagierten Gemeinde. Das sind drei meiner schönsten Erfahrungen.


Biografie

Pfarrer Steffen Reiche wurde am 27. Juni 1960 in Potsdam geboren. Er studierte Theologie und war als Pfarrer tätig, ehe er sich der Bürgerbewegung in der DDR anschloss. Reiche zählte zu den Mitbegründern der SDP und war nach der Wende als SPD-Politiker aktiv. Von 1994 bis 1999 war er Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur und von 1999 bis 2004 Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach seinem Ausscheiden arbeitet er wieder als Pfarrer. Steffen Reiche ist verheiratet und hat drei Töchter.


Michael Kahle / m.k.
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