Verordnete wollen die Kleingärten vor bauwütigen Investoren schützen

Pankow. Der Bestand der Kleingartenanlagen soll besser gesichert werden. Diesen Beschluss fasste die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mehrheitlich auf ihrer jüngsten Sitzung.

Gefährdet sind Kleingärten vor allem durch die Begehrlichkeiten von Investoren, die Wohnungen errichten möchten. Wie akut diese Gefahr ist, bekamen die Verordneten 2012 am Beispiel der Anlage Famos zu spüren. Dort müssen Kleingärten einem Mehrfamilienhaus weichen. Zusätzlich gefährdet werden Anlagen durch Arbeit des Senats am Stadtentwicklungsplan Wohnen. Auch in diesem ist vorgesehen, Kleingartenflächen als Bauland auszuweisen. "Wir müssen auch in Pankow Raum für Wohnungsneubau ausweisen. Das ist klar. Genauso klar ist aber, dass das nicht auf Kosten der Kleingärtner passieren darf. Wir sehen - anders als der Senat - Kleingärten nicht als potenzielle Flächen für den Wohnungsbau an", so Roland Schröder (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Grünanlagen. In Pankow gibt es über 10 000 Parzellen auf 510 Hektar Land. Der Senat habe auf einer Arbeitskarte zum Stadtentwicklungsplan bereits mehrere Kleingartenflächen als potenzielle Wohnbauflächen gekennzeichnet, berichtet Schröder. "Damit fällt der Senat hinter die erfolgreiche Arbeit des Bezirks zurück. Wir planen in einem Bündnis für Wohnen mit Wohnungsunternehmen und Genossenschaften die Ausweisung von Bauflächen, ohne dass wir dabei Kleingartenanlagen zerstören."

Die BVV beschloss deshalb drei Maßnahmen: Die Kleingartenflächen werden künftig als Grünflächen eingestuft. Das soll das Bezirksamt beim Senat durchsetzen. Selbst sichern wird der Bezirk die Kleingärten mittels Bebauungspläne. Außerdem erstellt das Bezirksamt eine Prioritätenliste. In dieser wird aufgelistet, welche Kleingartenanlagen durch einen Bebauungsplan zuerst gesichert werden müssen. Und um böse Überraschungen wie bei der Kleingartenanlage Famos zu vermeiden, muss das Bezirksamt die BVV ab sofort über Bauvoranfragen und Bauanträge auf Kleingartenflächen informieren. Für Schröder ist die Aufgabe für die nächsten Jahre klar: "Wir werden eine deutliche rote Linie um die Kleingärten ziehen und diese gegen Begehrlichkeiten verteidigen."


Bernd Wähner / BW
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