Die Königin der Groschenromane

Die Historikerinnen Juliane Kose (r.) und Judith Kauper laden ein, Hedwig Courths-Mahler neu zu entdecken. (Foto: Wrobel)
Berlin: Museum Lichtenberg |

Lichtenberg. Bis heute ist Hedwig Courths-Mahler (1867-1950) die unangefochtene Königin der gefühlvollen Literatur. Eine Ausstellung würdigt dieses ungewöhnliche Frauenleben.

Die Sehnsucht nach der großen Liebe, sie verkauft sich noch immer. Bis heute werden die 208 Romane von Hedwig Courths-Mahler verlegt und gelesen. "Sie schrieb Märchen von einem schöneren Leben", sagt Judith Kauper und nimmt eines der aktuellen Hefte in die Hand. Die 32-jährige Historikerin und Literaturwissenschaftlerin muss ein wenig schmunzeln, auf der Titelseite des Heftes ist ein schmachtendes Liebespaar zu sehen.

Gemeinsam mit der Historikerin Juliane Kose machte sie sich auf die Spuren dieser Erfolgsautorin, die acht Jahre lang in der Dönhoffstraße 11 lebte. Hier entstanden viele ihrer Geschichten: "Groschenromane", so nennt man heute ein wenig abwertend diese Form der Unterhaltungsliteratur. Nicht anders wurden die Romane zu Lebzeiten von Hedwig Courths-Mahler von Literaturkritikern wahrgenommen. "Es war die Zeit der großen deutschen Schriftsteller", weiß Kauper. Die Intellektuellen goutierten Werke von Thomas Mann oder Hermann Hesse. Die Liebesromane von Hedwig Courths-Mahler lagen in den kleinen Stuben armer Mägde und auf den Nachttischen unglücklich verheirateter Frauen. Die Geschichten wurden öffentlich belächelt, insgeheim boten sie eine ersehnte Flucht aus dem Alltag.

Die Schriftstellerin ließ in ihren Romanen aber nicht nur den Traum von einem besseren Leben wahr werden. Sie machte dieses Leben zumindest für sich selbst wahr: Mit ihrem Talent wurde sie schließlich Millionärin.

Am 18. Februar wäre sie 150 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Museum Lichtenberg eine Ausstellung, die das ungewöhnliche Frauenleben im beginnenden 20. Jahrhundert beleuchtet: "Wir zeigen zahlreiche Fotografien aus ihrem Leben und beleuchten die wichtigsten Stationen ihrer Biografie bis zum Umzug nach Karlshorst", sagt Kose. An sieben Schautafeln lassen die Historikerinnen nicht nur das Leben der Courths-Mahler Revue passieren, sondern zeigen auch den ungewöhnlichen sozialen Aufstieg. Denn so sehr die Intellektuellen auch die Nase rümpften – Hedwig Courths-Mahler war ein wichtiger Teil der Künstlerszene Berlins. Berühmte Schauspieler wie die große Fritzi Massary gingen im Hause Courths-Mahler ein und aus, die Romanadaptionen waren an den Berliner Boulevardtheatern ein Publikumserfolg.

Doch bis dahin war es für Hedwig Courths-Mahler ein harter Weg. Sie kam als uneheliches Kind im kleinen Ort Nebra an der Unstruth zur Welt, lebte in Pflegestellen, arbeitete zunächst als einfache Verkäuferin. Mit 17 Jahren begann sie zu schreiben. "Als Autorin schaffte Courth-Mahler mit 30 Jahren relativ spät ihren Durchbruch", sagt Juliane Kose. Es war der Ehemann Fritz Courths, ein preisgekrönter Dekorationsmaler, der der jungen Frau Zugang zum Künstlermilieu und damit auch diesen Durchbruch verschaffte. "Sie selbst hat sich immer als Künstlerin gefühlt, suchte gerne den Kontakt zum Theater", sagt Judith Kauper. Karlshorst sei eine Durchgangsstation für den weiteren sozialen Aufstieg gewesen. "Das Ziel war Charlottenburg."

Dabei war die Schriftstellerin wohl eher eine zurückhaltende Persönlichkeit. "Sie behauptete sich zwar in einer Männerwelt, doch in ihren Geschichten spiegelt sich auch eine Weltsicht", erklärt Judith Kauper. Der Standesglaube war stets präsent: Immer geht es um die Liebe zu einem Mann aus höherem Stand – mit glücklichem Ausgang. "Aber es waren mitnichten nur Frauen, die ihre Romane verschlangen", weiß Juliane Kose. Die beiden Historikerinnen fanden im Landesarchiv Berlin auch zahlreiche Briefe ergebener Leser, die sich an die Autorin wandten. KW

Die Ausstellung "Märchen vom schöneren Leben – Hedwig Courths-Mahler zum 150. Geburtstag" eröffnet am 17. Februar um 19 Uhr. Einleitend sprechen die Historikerinnen Judith Kauper und Juliane Kose. Die Schau im Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24, ist noch bis zum 2. April zu sehen – Di-Fr und So 11-18 Uhr. Eintritt frei.
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