Bibliotheken haben die Schmerzgrenze erreicht

Die Eröffnung der Stadtteilbibliothek im Falkenhagener Feld wurde Ende 2012 gefeiert. (Foto: Schindler)

Spandau. Der Sparzwang im Bezirk trifft die Bibliotheken besonders schmerzlich. Sie müssen mit wenig Geld und Personal auskommen.

Technisch sind die Spandauer Bibliotheken auf dem neuesten Stand. Mit dem modernen RFID-System, der automatischen Selbstverbuchung, läuft die Ausleihe und Rückgabe der Bücher praktisch wie von selbst. Das allein aber macht eine Bibliothek nicht aus. Sie braucht Mitarbeiter, die neue Bücher einkaufen und katalogisieren, die planen und organisieren und die ihre Leser kompetent beraten. Doch genau hier drückt der Schuh. "Wir brauchen mehr Personal", sagte Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU), als er kürzlich mit Heike Schmidt, Leiterin des Fachbereichs Bibliothek, Jahresbilanz zog. Die Diagnose steht also fest, nur ein Rezept gibt es nicht. Wegen der angespannten Haushaltslage können freie Stellen nicht besetzt werden. Bis 2016 muss der Bezirk sogar noch zusätzlich fünf von derzeit 51 Stellen in seinen Bibliotheken streichen. Den Personalabbau in der Verwaltung schreibt die Senatsfinanzverwaltung allen Bezirken vor.

Dabei zeigt der Sparfuchs schon jetzt die Zähne. Die Stadtteilbibliothek an der Bertolt-Brecht-Oberschule, Wilhelmstraße 10, wird zum 25. März schließen. Und an der Heinrich-Böll-Oberschule, Am Forstacker 9/11, ist die Schulbücherei bereits seit dem vorigen Jahr zu (wir berichteten). Dort haben die Lehrer die Bücherausgabe übernommen. Andernorts wurden die Öffnungszeiten reduziert, weil das Personal fehlt.

"Mittlerweile sind wir einem Punkt, wo es weh tut", sagte Heike Schmidt. Und dabei ist der Personalmangel nicht die einzige Baustelle. Auch das Budget für die Bibliotheken ist längst nicht so groß wie in anderen Bezirken. Zwar hatte der Bezirk im vorigen Jahr einen Medienetat von 235 000 Euro und damit seit 2001 erstmals wieder rund einen Euro pro Einwohner an Erwerbsausgaben zur Verfügung. "Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen wir aber mehr Geld", stellte Heike Schmidt fest. Immerhin liege der Richtwert für die Berliner Bibliotheken bei 1,50 Euro pro Einwohner. Das wären für Spandau dann 310 000 Euro.

Glücklicherweise konnten im vorigen Jahr zusätzlich 140 000 Euro an Projektmitteln für neue Medien akquiriert werden, informierte die Bibliotheken-Chefin.

Insgesamt geht der Medienbestand aber zurück. Boten die Büchereien ihren Lesern vor zehn Jahren noch knapp 417 000 Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs, sind es aktuell nur noch rund 331 000 Medien. Seit 2008 sinken auch die Ausleihzahlen. 2012 war der Rückgang aber vor allem dem Umbau in der Zentralbibliothek und dem Umzug der Stadteilbibliothek Falkenhagener Feld geschuldet. Steigern konnten die Bibliotheken dagegen ihre Angebote für Schulklassen und in der Leseförderung. Insgesamt zählten die Zentralbibliothek, die fünf Stadtteilbibliotheken, die Fahrbücherei und die zwei Schulbüchereien im vorigen Jahr 563 678 Besucher.


Ulrike Kiefert / uk
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