Brandbrief an Bürgermeister: Sozial Schwache und Fluglärm

Spandau. Ein wenig schmeichelhaftes Bild hat der Spandauer Rainer Grodka in seinem offenen Brief an Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) über seinen Heimatbezirk gezeichnet.

"Seit längerer Zeit ist Spandau mit billigem Wohnraum ein Anziehungspunkt für Problemfamilien", schreibt Grodka. Das habe zur Folge, dass im Bezirk immer mehr Slumgebiete entstünden und das soziale Gefüge zusammenbreche. Die soziale Mischung innerhalb der Ballungsgebiete stimme einfach nicht mehr. Die Folge: Auseinandersetzungen zwischen den Menschen und häufige Polizeieinsätze in diesen Spandauer Gebieten sind an der Tagesordnung."Hinzu kommt, dass Zehntausende Spandauer in Gefahr geraten, durch den aus den Fugen geratenen Flugverkehr von und nach Tegel, der auf die Nachtruhe auch keine Rücksicht mehr nimmt, krank zu werden", schreibt Grodka in seinem offenen Brief. Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass der Bürgermeister und seine Bezirksamtskollegen von diesen Zuständen bislang wenig mitbekommen hätten.

"Die von Ihnen geschilderten Probleme des Zuzugs von sozial schwachen Mitbürgern nach Spandau und der extreme Fluglärm über Spandau sind mir und den anderen Bezirksamtsmitgliedern sehr wohl bewusst", entgegnet Kleebank in seiner Antwort. Leider seien dem Bezirk aber nur wenige Möglichkeiten gegeben, um dies abzustellen, sodass Spandau nur immer wieder seinen Protest auf Landesebene anmelden könne. "Dennoch bringen wir bei jeder Gelegenheit dem Senat gegenüber zum Ausdruck, dass diese Belastungen und ihre langfristigen negativen Auswirkungen von Spandau nicht einfach so hingenommen werden", versichert der Bürgermeister. Wenn der Fluglärm in den letzten Monaten auch unerträgliche Ausmaße angenommen habe, so sei doch mittelfristig ein Ende absehbar. "Denn irgendwann wird der neue Flughafen BER in Betrieb gehen und Tegel geschlossen werden", schreibt Kleebank weiter.

Auch der Bürgermeister hält die Entwicklung des Zuzugs von einkommensschwachen Mitbürgern für "unerfreulich". Dieser resultiere in erster Linie auf steigende Mieten in den Innenstadtbezirken. Die Betroffenen würden so gezwungen, sich preiswerteren Wohnraum in den Außenbezirken zu suchen. "Dieser Zuzug verschlimmert die ohnehin schon gegebenen Probleme in den Kiezen unseres Bezirks", so Kleebank. Das Bezirksamt wolle dem wenigstens ein wenig durch die Freigabe von gebundenem Wohnraum an "Besserverdienende" entgegenwirken.


Michael Uhde / Ud
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