Dauerausstellung im Museum neu arrangiert

Ausgabe des Spandauer Volksblatts vom 16. Oktober 1946. (Foto: Schindler)
 
Werbung für Motorräder aus Spandau. (Foto: Schindler)

Spandau. Das Stadtgeschichtliche Museum Spandau auf der Zitadelle hat seine Dauerausstellung neu geordnet. Seitdem 1992 das Stadtgeschichtliche Museum Spandau im Zeughaus auf der Zitadelle der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist die Sammlung des Museums weiter gewachsen.

Archäologische Funde, zum Beispiel am Burgwall, gaben zudem neue Informationen über das Frühmittelalter preis. Sonderausstellungen lenkten zudem das Interesse der Besucher und auch der Historiker auf immer neue Aspekte der Spandauer Geschichte. Grund genug für Kunstamtsleiterin Andrea Theissen und ihre Mitarbeiter, die Dauerausstellung neu zu gestalten. So sind in dem 1858 fertiggestellten Zeughaus Requisiten aus Filmen zu sehen, die in der 1950er- und 1960er-Jahren in den CCC-Filmstudios von Arthur Brauner auf der Insel Eiswerder gedreht wurden. Neu ist auch das Inventar eines sogenannten Kaffenkahns, einer einfachen Transportschiffart, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert auf Spree und Havel unterwegs war. Sie konnten Güter bis zu 50 Tonnen transportieren. Die ausgestellten Stücke stammen von einem Schiff, das 1866 während eines orkanartigen Sturmes auf der Unterhavel gesunken war.

Anderer Hausrat ist in einem gesonderten Schaufenster zu sehen - elektrische Klein- und Großgeräte, wie sie von Siemens produziert wurden. Auch Werbung für einen Protos wird präsentiert, ein Auto, das zeitweise von Siemens produziert wurde. Neu ist ein Hudson Essox, ein fahrtüchtiger Oldtimer aus den 1920er-Jahren, der für eine frühe Form von Globalisierung steht - eine amerikanische Firma ließ den Wagen in Deutschland zusammenbauen. Schon 1994 war eine Sonderausstellung dem Fahrzeugbau in der Zitadellenstadt nachgegangen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde manche Rüstungsfabrik für die zivile Produktion genutzt.

Besonderes Augenmerk richtig die Schau auf das abgerissene Spandauer Kriegsverbrechergefängnis in der Wilhelmstadt. Noch immer fragen Touristen auf der Zitadelle, wo denn der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß eingesessen habe. Der war jedoch nie auf der Zitadelle inhaftiert, sondern in dem 1881 fertiggestellten Militärgefängnis, das nach Heߒ Selbstmord 1987 abgerissen wurde.

Auch ein anderes Gefängnis spielt eine Rolle: Das von 1687 bis 1872 betriebene Spinn- und Zuchthaus mitten in der Altstadt, in dem unter anderem der preußische Abgeordnete Gottfried Kinkel einsaß. Er wurde 1850 von dem späteren amerikanischen Außenminister Carl Schurz befreit.

Die originale Gefängnistür, hinter der Kinkel saß, hat etwas gemeinsam mit dem Spandauer Richtschwert von 1324: Beide Gegenstände waren im 19. Jahrhundert vom Spandauer Magistrat ans Märkische Museum übergeben worden. Jetzt sind sie in Spandau als Dauerleihgaben der Stiftung Stadtmuseum Berlin zu sehen. Ein gerettetes Mauerteil erinnert an den Auswandererbahnhof Ruhleben, der im Sommer vergangenen Jahres an der Straße Freiheit abgerissen wurde. Zu der Dauerausstellung gehört außerdem die Spandauer Zeitungsgeschichte: So ist auch dem Spandauer Volksblatt ein Teil der Ausstellung gewidmet.


Christian Schindler / CS
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden