Heimatkundler zeigen Ausstellung zur Rathaus-Geschichte

Es sollte der Bürgerstolz der Spandauer sein: das 1913 eingeweihte Rathaus. (Foto: Christian Schindler)

Spandau. Als am 15. September 1913 das heutige Spandauer Rathaus eingeweiht wurde, war das der Endpunkt einer Diskussion, die 35 Jahre zuvor begonnen hatte: Das Für und Wider eines neuen Verwaltungssitzes.

Das alte Spandauer Rathaus reichte längst nicht mehr aus, als die Stadtväter 1878 über ein neues Verwaltungsgebäude zu diskutieren begannen. Das alte Rathaus auf dem heutigen Grundstück der Berliner Volksbank am Markt in der Altstadt stammte aus dem Jahr 1818, und es war 60 Jahre später längst zu klein für die wachsende Zitadellenstadt. Die damit zunehmende Verwaltung war auf 12 Standorte verteilt. Im Rahmen des Rathausjubiläums zeichnet die Heimatkundliche Vereinigung Spandau in der Säulenhalle des Rathauses mit einer Ausstellung von Fotos und Plänen dessen Geschichte nach. Unter anderem haben die Heimatkundler recherchiert, dass die Zahl der Verwaltungsmitarbeiter in den Jahren von 1880 bis 1920 um das 21-Fache stieg - von 55 auf 1160.

Am 18. April 1907 entschlossen sich die Stadtverordneten, am heutigen Standort eine Fläche von knapp 7000 Quadratmetern für die Verwaltung zu bebauen. Der Beschluss sah auch schon mögliche Erweiterungen vor. Ein Jahr später beteiligten sich 29 Architekten an einem entsprechenden Wettbewerb. Der zweite Preis wurde ausgewählt. Das Team Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth durfte seinen Entwurf "Bürgerstolz II" umsetzen.

Der Name schmeichelte dem Spandauer Selbstbewusstsein. Seine steinerne Umsetzung sollte auch ein Zeichen sein gegen die Eingemeindungsgelüste des benachbarten Berlin. 1910 wurde mit dem Bau begonnen, die Grundsteinlegung wurde auf den 3. April 1911 datiert. Am 15. September 1913 stieg dann die große Einweihungsfeier.

Die Spandauer Selbstständigkeit konnte der protzige Bau nicht sichern. 1920 wurde Spandau ein Berliner Bezirk. Das alte Rathaus am Markt wurde 1929 abgerissen.

Das neue Rathaus teilte dann das Schicksal vieler Berliner Gebäude, die Opfer des Bombenkriegs ab 1943 wurden. 1944 brannte ein Dachstuhl, schwere Zerstörungen gab es an der der Havel zugewandten Seite. Im April 1945 brannte das Rathaus zu großen Teilen aus.

In den 50er-Jahren wurde das Rathaus in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Der Hauptturm erhielt 1957 einen von Reiner Seidel entworfenen Abschluss. Weitere Restaurierungen folgten Ende der 1980er Jahre, unter anderem in der vom Jugendstil geprägten Vorhalle.



Die Ausstellung "100 Jahre Rathaus" ist noch bis zum 20. September sowie vom 21. Oktober bis Mitte November und natürlich zum Rathausfest am 31. August in der Säulenhalle in der zweiten Etage des Rathauses, Carl-Schurz-Straße 2/6, bei freiem Eintritt montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Information: www.geschichte-spandau.de.

Christian Schindler / CS
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