Lottogeld für Prävention: Sozialarbeiter unterstützen Kinderärzte

Hans-Rüdiger Dreykluft und Raed Saleh mit Mitarbeiterinnen des Medizinischen Versorgungszentrums an der Obstallee. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Medizinisches Versorgungszentrum |

Mit Lottomitteln geht aktuell an der Obstallee das Projekt der Präventionsambulanz an den Start – Kinderärzte werden dabei von Sozialarbeitern unterstützt.



Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendlichen Praxis im Medizinischen Versorgungszentrum Heerstraße Nord an der Obstallee 22a können viele Geschichten erzählen, in denen Mediziner eher am Rand vorkommen. Sie behandeln Symptome, spüren aber, dass die Ursachen dafür eher in sozialen Defiziten liegen. Dieser Zusammenhang ist leicht erkennbar mit einem Blick ins Monitoring Soziale Stadt, das sich für den Bereich Heerstraße Nord so zusammen fassen lässt: Viele Menschen haben einen Migrationshintergrund, Jugendliche sind überdurchschnittlich arbeitslos, die Kinderarmut ist extrem hoch.

Der Zusammenhang zwischen medizinischen Problemen und sozialem Umfeld ist für Dr. Hans-Rüdiger Dreykluft nicht neu. Der Internist hat lange in Staaken gearbeitet. Jetzt ist der Arzt ehrenamtlicher Geschäftsführer der NestWerkStaaken gGmbh. Die gemeinnützige Gesellschaft hat einen Antrag auf Lottomittel gestellt zur Erprobung einer Präventionsambulanz, die ihr Augenmerk vor allem auf Kinder lenkt.

Schwerstbehindertem Kind wurde geholfen

Über drei Jahre gibt es insgesamt 300.000 Euro, mit denen zweieinhalb Sozialarbeiter-Stellen finanziert werden. Sie greifen dort ein, wo ein Mediziner ein Problem zwar erkennen, aber nicht unbedingt lösen kann. So ging kürzlich bei einem schwerstbehinderten Kind nach dem Umzug der Eltern von Charlottenburg nach Spandau das Anrecht auf den Behindertentransport verloren. Wo die Ärztin nicht gleich weiß, wo die entsprechenden Anträge dafür gestellt werden müssen, kann ein Sozialarbeiter schnell helfen.

Arzt Dreykluft nennt noch andere Beispiele: Der dreizehnjährige Sohn einer alleinerziehenden, alkoholkranken Mutter ernährt sich vorwiegend von Fastfood. Zudem wird er in der Schule gemobbt. Bei akuten Verdauungsschwierigkeiten kann der Mediziner helfen. Doch schon bei Tagesstrukturen oder Anregungen für den an sich sehr motivierten Jungen könnte der Sozialarbeiter dauerhaft Besserung erreichen. Weitere Probleme, denen sich Mediziner nur bedingt stellen können, sind Eltern, die ihre Kinder krank schreiben lassen, um das Schulschwänzen zu kaschieren.

Unterstützt wird das neue Projekt vom Spandauer SPD-Chef und Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh. Für ihn ist es ein Erfolg versprechender Versuch, die Chancen für Kinder aus armen Verhältnissen auf ein erfolgreiches selbstbestimmtes Leben zu erhöhen. Zugleich begrüßt er, dass im Laufe des Projektes auch dessen Erfolg nachgewiesen werden muss. Die Ansiedlung an der Obstallee sieht er zudem aus einem persönlichen Grund sehr gerne: Als Kind ist er in dieselbe Praxis gegangen.
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