Erste Lehrküche für Blinde in Berlin eingerichtet

Zur Einweihung gab es prominente Unterstützung. Die Spitzenköche Holger Zurbrüggen und Stefan Hartmann kochten mit dem blinden Thomas Schmidt. (Foto: K. Menge)

Steglitz. Dass Besteck nicht gleich Besteck ist und es bei der Kücheneinrichtung nicht auf Schönheit ankommt, erklärte Thomas Schmidt anlässlich der Eröffnung der ersten Lehrküche für Blinde und Sehbehinderte. Am 8. Oktober wurde die Küche mit Spitzenköchen, Politikern und künftigen Nutzern in Steglitz eröffnet.

"Das Besteck muss vor allem gut in der Hand liegen", sagt Thomas Schmidt. Der Mitarbeiter beim Blindenhilfswerk Berlin muss es wissen. Er ist seit seiner Geburt blind und so der wichtigste Ratgeber bei der Einrichtung der ersten Lehrküche für die Blindenszene. "Was in normalen Küchen die Arbeit erleichtert, bewirkt für blinde und sehbehinderte Menschen oft das Gegenteil", sagt Juliane Eichhorst, Öffentlichkeitsreferentin beim Blindenhilfswerk. Mit Touchscreen und Digitalanzeigen können blinde Menschen nichts anfangen. "Hilfreich sind für uns sprechende Waagen und sprechende Uhren", sagt Schmidt. Auch Regler am Herd, die mit jeder neuen Einstellung spürbar einrasten und Markierungen haben, sind für blinde Menschen nützlich.

Es sei gar nicht so einfach gewesen, passendes Mobiliar und Hilfsmittel für die Blindenküche zu finden, so Juliane Eichhorst. Spezialgeschäfte gäbe es nicht und Angebote im Internet können nicht ausprobiert und "erfühlt" werden. Die neue Lehrküche soll daher auch als Berater für blinde und sehbehinderte Menschen in Berlin dienen, wenn es um Küchengeräte und Kücheneinrichtungen geht.

In erster Linie soll aber gekocht werden. "Wir wollen unseren nicht sehenden Bewohnern und Mitarbeitern lebenspraktische Fertigkeiten vermitteln, ihnen damit ein Stück Lebensqualität schenken und ihre Eigenständigkeit in Alltagssituationen wie beispielsweise mit Küchenutensilien und Nahrungsmitteln erweitern", erklärt Eichhorst. Mit der Idee stieß das Blindenhilfwerk bei der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales auf offene Ohren. Sie förderte den Umbau der ehemaligen Küche im Untergeschoss des Hauses in der Rothenburgstraße zu einer barrierefreien Küche für Blinde mit rund 40.000 Euro. Die Berliner Sparkasse unterstützte die Idee aus ihrem Fonds "PS-Sparen" mit weiteren 6800 Euro.

Die Küche soll jedoch nicht nur Lehrküche sein, sie soll Sehenden die Möglichkeit eröffnen, in die Erlebniswelt der Blinden einzutauchen. "Wir planen zukünftig Aktionen in unserer Küche. Schulklassen könnten bei uns mit Dunkelbrillen kochen, also auch blind", so Thomas Schmidt.

Kontakt: Blindenhilfswerk Berlin e.V., Rothenburgstraße 15, 792 50 31

Karla Menge / KM
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