Markusgemeinde erinnert an zwei jüdische Familien

Elfriede Blumenthal, geb. Weiss. (Foto: Yad Vashem)

Steglitz. Am Donnerstag, 19. September, werden im Bereich der Markusgemeinde elf neue Stolpersteine vor den Häusern Halskestraße 14 und Albrechtstraße 38 verlegt. Damit wird an das Schicksal zweier jüdischer Familien gedacht, die deportiert wurden und im KZ gestorben sind.

Das Haus Albrechtstraße 38 erzählt die traurige Geschichte der Großfamilie Weiss. Der in Schlesien geborene Adolf Weiss hatte 1914 ein Damen-Konfektionshaus in der Schloßstraße 29 eröffnet. 1925 erwarb er das Haus in der Albrechtstraße 38. Seine Schwester Elfriede Blumenthal führte im Erdgeschoss des Hauses Schloßstraße 110 ein Putz- und Hutgeschäft. Nach dem Tod von Adolf Weiss übernahmen seine Tochter Lily und ihr Ehemann Martin Philipp die Geschäftsleitung des Konfektionshauses und zogen in die Albrechtstraße 38. Ab 1936 zogen die Schwester von Adolf Weiss, Elfriede Blumenthal, mit ihrem Mann Ludwig sowie weitere Verwandte der Familie Weiß in das Haus. Nach Beginn der Juden-Deportationen aus Berlin wurden die "Evakuierungen" von jüdischen Bewohnern des Hauses Albrechtstraße 38 durchgeführt. Ludwig und Elfriede Blumenthal wurden am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ebenso wie die anderen Familienmitglieder gelten sie als "verschollen", was ihren Tod nur umschreibt. Mit den Stolpersteinen wird an die elf Familienmitglieder gedacht.

In der Halskestraße 14 werden drei Stolpersteine verlegt. Hildegard und Gerhard Borchardt sowie seine Mutter Grete Borchardt lebten hier. Während die Mutter im Januar 1942 nach Riga deportiert wurde, fand das junge Ehepaar bei Ludwig und Elfriede Blumenthal in der Albrechtstraße 38 Unterschlupf. Auch sie wurden nach Auschwitz deportiert und als "verschollen" erklärt. Der 11. Stein ist für Rosel Richter bestimmt, die ebenfalls in der Halskestraße 14 im Parterre wohnte.

Die Finanzierung der Steine ermöglichten Mitglieder der Kirchengemeinde. Für die Pflege der Steine werden noch Paten gesucht. Wer eine Pflegepatenschaft übernehmen möchte, kann sich an Inge und Günter-Henning Tarun wenden. Das Ehepaar kümmert sich in der Stolperstein-AG der Markusgemeinde darum, dass Schicksale wie das der Familien Weiss und Borchardt nicht in Vergessenheit geraten und mit Stolpersteinen daran erinnert wird.

Der Künstler Gunter Demnig wird am 19. September gegen 13.15 Uhr in der Albrechtstraße 38 die Gedenksteine verlegen. Vorher wird er die Steine vor der Halskestraße 14 einsetzen.

Kontakt: 796 33 48 oder guenter-henning@tarun.de.

Karla Menge / KM
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